Baukultur umfasst die Auseinandersetzung mit der Gestaltqualität der gebauten Umwelt und Landschaft (also die Baukultur im engeren Sinne), aber auch die Lebensqualität, die sich über die rein baulichen Aspekte hinaus z.B. auch in der unterschiedlichen Funktion und Nutzung von Räumen und in der Intensität entsprechender Angebote messen lässt. Baukultur betrifft soziale, ökonomische, ökologische und gestalterische Fragestellungen. Der Österreichische Baukulturreport wurde nach einer parlamentarischen Enquete-Kommission zum Thema „Architekturpolitik und Baukultur in Österreich“ erstellt. Ziel war es, verbesserte Rahmenbedingungen für eine zeitgenössische Bau- und Planungskultur sowie Grundlagen für eine umfassende und ressort- bzw. zuständigkeitsübergreifende Architekturpolitik zur Sicherung der Lebensqualität in Österreich zu schaffen. Die Bedeutung von Öffentlichkeitsbeteiligung im Bereich der Baukultur kommt im Entschließungsantrag der Parteien im österreichischen Nationalrat zum Ausdruck, in der es heißt:
„Eine fundiert konzipierte, ressortübergreifend angelegte, engagierte Architekturpolitik ist von hohem kulturellem, politischem und wirtschaftlichem Interesse. Das Ziel dieser Politik sollte es sein, in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung für eine gut gebaute Umwelt und damit auch Unterstützung für qualitätvolles Planen und Bauen zu erreichen.“
Um den Begriff „Baukultur“ mit Leben zu erfüllen und EntscheidungsträgerInnen in den Gemeinden die Vorteile gelebter Baukultur zu vermitteln, schrieb der Verein LandLuft 2009 gemeinsam mit dem Österreichischen Gemeindebund den Baukultur-Gemeindepreis aus. Die Ausschreibung wendete sich an öffentliche und private Bauherren und PlanerInnen in österreichischen Gemeinden und Städten, die innovative Baukultur als Schlüsselfaktor für Zukunftschancen in ihrem Ort begreifen.
Im Zentrum des Preises stand weniger das „schöne“ Bauwerk, sondern die Art und Weise seiner Entstehung und die Frage, wie sich ein Gebäude auf die Herausforderungen des jeweiligen Ortes einlässt, welche Personen auf welche Weise den Planungsprozess mitbestimmt haben. Die Preisverleihung fand am 4. November 2009 in Wien statt. Die Ausstellung über den Baukultur-Gemeindepreis 2009 tourt seither durch ganz Österreich und soll helfen, die Ideen der VeranstalterInnen über nachhaltige Baukultur zu verbreiten.
LandLuft hat zwölf Thesen entwickelt, die das breite Themenfeld von Baukultur aufzeigen und die betonen, dass Baukultur nur durch das Zusammenwirken aller AkteurInnen entsteht, in Projektteams von Betroffenen, ExpertInnen und politisch Verantwortlichen, die eine hohe Lösungskompetenz für die Gestaltungsfragen des eigenen Umfeldes mitbringen. Den Thesen des Vereins zufolge können Baukultur-Projekte wesentlich zu einem guten Klima in Dörfern beitragen, da die Diskussion, gemeinsame Willensbildung und der Interessensausgleich die Dialog-Intensität der BürgerInnen untereinander forcieren. Auch eine höhere Identifikation und eine größere Zustimmung zum eigenen Lebensort können Folgen von Baukultur-Projekten sein. Die zwölf Thesen sind auf der Website des Vereins LandLuft zu finden.