>> Von der Mitwirkung zur Selbstbestimmung: Grundelemente einer partizipativen Entwicklungszusammenarbeit (Publikation)
>> GTZ Jahresthema 2007: Capacity Development. Partner stärken – Potenziale entwickeln

Das Verständnis von Partizipation in der EZA ist vielfältig und reicht von bloßer Information und gegenseitiger Konsultation über Mitbestimmung bis hin zu Selbstbestimmung. Während in der Vergangenheit Projekte bereits als partizipativ galten, wenn Betroffene lediglich informiert oder konsultiert wurden, geht heute der Trend zu einer aktiveren Einbeziehung der Bevölkerung. Nur so können Projekte auf Dauer wirksam sein.
Empowerment = Ermächtigung
Empowerment spielt im aktuellen entwicklungspolitischen Kontext eine herausragende Rolle. Es geht dabei um einen Prozess, der es Menschen ermöglicht, einen immer stärkeren Einfluss und die Kontrolle über Entscheidungen, Ressourcen, Rechte, Politiken und Verfahren auszuüben, welche ihr Leben bestimmen. Konkret heißt Empowerment, Menschen dabei zu helfen, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. Dies kann beispielsweise durch Beratung, Bildung und Ausbildung geschehen, aber auch durch rechtliche Absicherung und Unterstützung beim Ausbau gemeinsamer Organisationsstrukturen. Ohne Empowerment können Entwicklungserfolge nicht nachhaltig sein (Nach: Glossar ÖFSE)
Ownership = Eigenverantwortung
Im Sinne aktiver Partizipation geht es darum, benachteiligten Bevölkerungsgruppen verstärkt zu Ownership – das heißt zu Eigeninitiative und Eigenverantwortung – zu verhelfen. Sie sollen nicht von außen „empowert“ werden, wie dies oft in Hilfe-zur-Selbsthilfe- oder rein wohltätigen Ansätzen der Fall war, sondern als Hauptakteure ihres eigenständigen Prozesses agieren. Die Identifikation mit einem Vorhaben spielt in diesem Kontext eine wesentliche Rolle.
Capacity Development = Befähigung
Thematisch ist Partizipation in der EZA eng mit Capacity Development verknüpft. Die GTZ definiert dieses Konzept als Ausbau der Fähigkeit ("capacity") von Menschen, Organisationen und Gesellschaften, Ressourcen effektiv und effizient einzusetzen, um eigene Ziele nachhaltig wirksam zu verwirklichen. Während anfangs die Entwicklung von technischen Fertigkeiten im Mittelpunkt stand rückte später die Förderung der Organisationen in den Partnerländern in den Mittelpunkt.
von Gudrun Lettmayer, Joanneum Research
Die Entwicklungstheorien der vergangenen 40 Jahre waren immer ein Spiegel jener gesellschaftlichen Strömungen, die die „entwickelten“ Länder gerade durchliefen. Genauso verhält es sich mit der auf diesen Theorien fußenden Praxis der Entwicklungszusammenarbeit – und so wurde „Partizipation“ als erhofftes Instrument für Effektivität, Effizienz und Qualität von Projekten und für „empowerment“ und „ownership“ der Betroffenen ein selbstverständlicher Eckpfeiler des modernen westlichen Verständnisses von EZA.
Die theoretische Verankerung von Partizipation in Entwicklungsprogrammen ist das eine, die Vielfalt der Interpretation des Begriffes das andere, wie sich am Beispiel ihrer Umsetzung in der Realität der Entwicklungsprozesse vieler Länder zeigt.
Als Grundfragen stellen sich immer: „Wer soll partizipieren?“, „In welchem Ausmaß?” und „Wie?“ Hier können durchaus die unterschiedlichen Sichtweisen von typischen Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit (z.B. westlicher Fördergeber, lokale traditionelle Dorfgruppe, westliche NGO, lokale moderne Administration, etc....) aufeinanderprallen.
Viele dieser Aspekte sind den Fragen zur Partizipation bei uns sehr ähnlich. Das Besondere an der Partizipationsfrage in der Nord-Süd-Kooperation ist, dass sich dabei Spannungsfelder öffnen, die viel mit interkulturellem Rollenverständnis und Machtgefällen – finanziellen, aber auch strukturellen und mit „Know-how“ verbundenen – zu tun haben, die an sich bereits eine „Gleichwertigkeit“ in Frage stellen. Ein wesentliches Hindernis für Partizipation ist der Zeitmangel und Erfolgsdruck, dem die Entwicklungszusammenarbeit ausgesetzt ist. Eine partizipative Kooperation „auf Augenhöhe“ – besonders interkulturell – benötigt Zeit und ist ein Prozess, der nur bedingt planbar ist und auf dessen Risiken und Chancen man sich bewusst einlassen muss.
>> Stufen der Partizipation (Tabelle als pdf)
>> Empowerment- vs. Dienstleistungs-Paradigma:
In der EZA findet ein Paradigmenwechsel statt: Vom vorherrschenden Dienstleistungs-Paradigma hin zu einem neuen, sich immer stärker durchsetzenden Empowerment-Paradigma (Tabelle als pdf)