>> Beteiligung in der Stadtentwicklung – Bürger als „Experten des Alltags“ beteiligen. Sid Auffahrt (Newsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 12/2008)

Mit „Gestaltungsprojekten“ sind Planungsprojekte auf lokaler und regionaler Ebene angesprochen. Für diese Projekte gilt in hohem Ausmaß, dass die betroffenen BürgerInnen bzw. NutzerInnen über die bessere Problemsicht und über detailliertere Lokalkenntnis als externe ExpertInnen bzw. PlanerInnen verfügen. Daher besteht bei solchen Projekten in der Praxis oft das Bestreben, die Betroffenen als „ExpertInnen ihrer Bedürfnisse“ in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubinden.
In Abhängigkeit vom geplanten Projekt und von der Stufe der Beteiligung kann die Partizipation der Zielgruppe zu verschiedenen Zeitpunkten in einem Planungsprozess bzw. auch über den gesamten Prozess hin stattfinden. Je nach Zeitpunkt stehen unterschiedlichste Methoden für die Beteiligung von BürgerInnen an Planungsprojekten zur Verfügung.
Die Öffentlichkeitsbeteiligung bei Gestaltungsprojekten ist in Österreich nicht gesetzlich geregelt, es handelt sich somit um informale Beteiligungsverfahren, die individuell sehr unterschiedlich gestaltet sein können. Das Spektrum reicht – gereiht nach räumlichem Maßstab – von der Einbindung von Kindern und Jugendlichen in Schulhof- und Spielplatzgestaltungen, über partizipative Platz- und Freiraumgestaltungen hin zur Einbeziehung von BewohnerInnen in Entwicklungsprozesse von Siedlungen oder ganzen Stadt- bzw. Ortsteilen. Zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Beteiligungsprozesse finden sich bei den Praxisbeispielen auf partizipation.at. Gelingt die Einbindung der Betroffenen bringt das viele Vorteile für die erarbeiteten Planungs- und gestalterischen Lösungen: höhere Qualität der Ergebnisse, mehr Akzeptanz, Planungssicherheit u.v.m.
Wichtig ist, dass der Beteiligungsprozess adäquat vorbereitet wird und aus der Vielzahl an zur Verfügung stehenden Methoden die richtigen zum Einsatz kommen (Beispiele siehe rechte Spalte). Hinweise zur Qualität von Beteiligungsprozessen liefern die Standards der Öffentlichkeitsbeteiligung, das Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung und die Arbeitsblätter zur Partizipation.
Die Spielfelder Stadlau im 22. Wiener Gemeindebezirk sind ein Beispiel für einen Spielplatz, den Kinder und Jugendliche mit gestalten und selbst bauen konnten. Der Verein OPK (Offenes PlanerInnen Kollektiv) wurde 2001 beauftragt, ein Konzept für das Gelände zu erstellen. Das Konzept griff unterschiedliche Themen und Arten von Spiel auf, veränderbare Materialien wie Lehm, Stein, Holz, Stroh, Erde und Pflanzen sollten die Kreativität, den Gestaltungswillen und das Naturerlebnis von Kindern fördern. Die Umsetzung erfolgte in mehreren Phasen von Herbst 2002 bis 2004. Noch nicht ausgeführte Felder konnten so mit temporären Nutzungen besetzt, die Neugier auf kommende Phasen sollte geweckt werden. Die Kooperation mit Schulklassen und Jugendgruppen war ein wesentlicher Bestandteil zur erfolgreichen Etablierung des Abenteuerspielplatzes. Kinder aus Stadlau konnten beispielsweise im Herbst 2002 Pflanzbeete und die sogenannten „Wächter“, die auf den Abenteuerspielplatz aufpassen, mit gestalten. Die Themen wurden in den Unterricht eingebunden und teilweise durch Geschichten vorbereitet. Am Aktionstag wurde vor Ort umgesetzt, was vorher erarbeitet und entwickelt wurde.
Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung hat 1992 in Rio die Agenda 21 beschlossen, ein umfassendes, weltweites Aktionsprogramm für eine zukunftsfähige Entwicklung. Bei der Umsetzung der Agenda 21 kommt den Gemeinden eine Schlüsselrolle zu, weil BürgerInnen auf lokaler Ebene leichter bereit sind, sich zu engagieren. In offenen Beteiligungsprozessen sollen BürgerInnen, AkteurInnen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam auf lokaler (Lokale Agenda 21) bzw. regionaler Ebene (Regionale Agenda 21) Strategien für eine Nachhaltige Entwicklung ihres Lebensraums erarbeiten und umsetzen.
Die Durchführung von LA21-Prozessen ist in den österreichischen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Wien können sich die Bezirke mit einem Beschluss der Bezirksvertretung sowie einem Konzept für die Durchführung eines LA21-Prozesses bewerben. Jährlich wird zumindest ein Bezirk vom Beirat ausgewählt und kann mit seinem LA21-Prozess starten. Einen umfassenden Überblick über LA21-Aktivitäten und über die verantwortlichen Koordinationsstellen in Österreich bietet die Website www.nachhaltigkeit.at. Auch bei den Fallbeispielen auf partizipation.at finden sich zahlreiche Beispiele für bottom-up-Projekte der LA21.
>> Beteiligung in der Stadtentwicklung – Bürger als „Experten des Alltags“ beteiligen. Sid Auffahrt (Newsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 12/2008)
>> Verein Lokale Agenda 21 in Wien
>> Wegweiser Bürgergesellschaft
>> Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover
>> Schweizerisches Netzwerk „Nachhaltige Entwicklung in Gemeinden“
>> ICLEI - Local Governments for Sustainability
>> The Building Futures Game: Developing Shared Visions for Neighbourhoods




While technology shapes the future, it is people who shape technology, and decide what it can and should be used for.