von Cosima Pilz, Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark



... war der Titel einer Tagung, die die Autorin im Jahre 1989 in Graz organisierte. Angeregt durch die Frauenbewegung brachten damals einige weibliche VerkehrsplanerInnen u.a. Petra Rau erstmals zum Ausdruck, dass Frauen in der Verkehrsplanung und -umsetzung kaum vorkommen. Etwa 15 Jahre später beauftragte das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur im Forschungsprogramm NODE das Projekt „Gendersensitive Governance im Bereich Verkehr und Mobilität“. Ein internationales Projektteam unter gemeinsamer Projektleitung der Soziologin Mag.a Daniela Jauk und der Autorin konnte im Rahmen dieses Projektes von 2003-2005 den Bestand der BürgerInnenbeteiligungskultur in der österreichischen Planungslandschaft erheben. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass dieses Thema immer noch ein „Orchideenthema“ ist - wie dies ein männlicher Interviewpartner ausdrückte - und sich die Situation nur punktuell verbessert hat. Allgemein mangelt es in Österreich nicht allein an Traditionen und Erfahrungen mit BürgerInnenbeteiligung, sondern es lassen sich enorme Unterschiede hinsichtlich der Beteiligung der Geschlechter feststellen:


Die Analyse des österreichischen Generalverkehrsplans und der Verkehrskonzepte der Länder im Rahmen des Projekts ergab, dass über 96 % Männer an diesen Strategiepapieren beteiligt waren. Dass Frauen in der österreichischen Planungspraxis nur marginal vorkommen, hat laut Studie mehrere Ursachen:
- eine sehr männlich dominierte Kultur am Arbeitsplatz
- einseitig technisch orientierte Studienpläne
- fehlende Information
- fehlender Zugang zu männlichen Netzwerken
- traditionelles Rollenverständnis
- Segregierungen.

Frauen und Männer sind qualitativ und quantitativ unterschiedlich mobil. Frauen nützen seltener Autos und verwenden häufiger öffentliche Verkehrsmittel. Durch die traditionelle Arbeitsteilung sind öfter sie es, die Kinderbetreuungspflichten nachkommen und Begleitwege machen bzw. für pflegebedürftige Verwandte unterwegs sind. Dadurch gehen Frauen andere Wege, die nicht über die standardstatistischen Methoden der Verkehrsforschung erfasst werden. Obwohl Frauen über sehr vielfältige Mobilitätserfahrungen im Alltag verfügen, wird diese Expertise in Verkehrsplanungsverfahren kaum berücksichtigt. Die gesetzlichen Beteiligungsmöglichkeiten beinhalten keine Genderstrategie. Obwohl sich Frauen unter bestimmten Bedingungen sehr wohl für den Themenbereich „Verkehr“ interessieren, fühlen sie sich von der gängigen Praxis der BürgerInnenbeteiligung nicht angesprochen.
Die InterviewpartnerInnen vermissen in der gängigen Beteiligungspraxis u.a. klare Zielsetzungen, eine Transparenz der Machbarkeiten, ein verständliche, nicht nur technische Ausdrucksweise sowie eine gendergerechte Methodik in der Kommunikation. Dazu gehört beispielsweise, Frauen explizit zur Teilnahme einzuladen, die adäquate Bewerbung und kompakte Gestaltung von Veranstaltungen, die Anpassung der Methoden, eine finanzielle Abgeltung der Teilnahme oder auch das Angebot von geschlechtshomogenen Gruppen. Auch der Zeitpunkt, an dem BürgerInnenbeteiligungsprozesse stattfinden, sei wichtig – günstig für Frauen sei z.B. der späte Nachmittag bzw. frühe Abend. Die Interviewpartnerinnen gaben weiters an, dass ihnen im laufenden Verkehrsdiskurs Themen fehlen, die sich am Lebenszusammenhang orientieren und soziale und ökologische Aspekte zu wenig berücksichtigt würden. Meist würde nur über den Verlauf und die Gestaltung einer bereits im Detail geplanten Straße diskutiert, nicht aber bereits vor Planungsbeginn gemeinsam mit der Bevölkerung übergeordnete Ziele besprochen, wie z.B. Wie wollen wir in Zukunft leben? Welchen Zweck soll die Verkehrsmaßnahme erfüllen? usw.. Es fehle auch die Berücksichtigung von allen Formen der Mobilität und allen Bevölkerungsgruppen (z.B. junge Menschen, SeniorInnen, MigrantInnen etc.) genauso wie die Diskussion der Auswirkungen des gewählten Verkehrssystems auf alle Komponenten, die in Wechselwirkung zum jeweiligen Verkehrssystem stehen – wie z.B. Lebensqualität, Umwelt, Gesundheit, wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsplatzentwicklung in der Region. Erfahrungen mit Pilotprojekten hätten gezeigt, dass mit neuen BürgerInnenbeteiligungsverfahren die Identifikation der Bevölkerung mit den Planungsergebnissen und damit auch die Qualität der Ergebnisse verbessert werden könnte.

Unser Forschungsprojekt hatte das ambitionierte Ziel, nicht nur Grundlagen über „Frauen und Governance“ im Bereich Verkehr und Mobilität zu erforschen, sondern auch den gesamten Bereich in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Darüber hinaus hat die Sozialforschung mit Hilfe des reflexiven, partizipatorischen Forschungsansatzes Rahmenbedingungen schaffen können, in denen Betroffene ihre eigene Agenda und ihre eigenen Problemstellungen definierten. Damit wurde zu einem breiteren Bewusstseinsprozess beigetragen.
Ergebnis der Studie ist, dass es noch viel zu tun gibt, damit BürgerInnenbeteiligungsprozesse im Bereich Verkehr gendergerechter gestaltet werden. Technische Maßnahmen allein werden in Zukunft nicht ausreichend sein für die Lösung steigender Verkehrsprobleme. Vollzogen werden müsste ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel im Sinne einer gendergerechten, intersektoralen Zusammenarbeit und BürgerInnenbeteiligung.