

Der Weg in den Kindergarten oder die Schule bedeutet für Kinder nicht lediglich Fortbewegung von A nach B. Sie erleben alltägliche Strecken mit anderen Augen als Erwachsene. Mobilität heißt für sie Entdecken und Erkunden ihrer Umgebung. Aus Kindersicht werden Alltagswege so zum Abenteuer. Werden Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt, lernen Kinder ihr Wohnumfeld kennen und Situationen besser einzuschätzen. Im Alltag werden selbständige Kinderwege bedingt durch Zeitmangel oder große Entfernungen zwischen Wohn- bzw. Arbeits- und Betreuungsplätzen immer häufiger durch unselbständige Autowege ersetzt. Das führt dazu, dass einzelne Station des Kinderalltags zu isolierten Erlebnisinseln (www.aktiv-fuer-kinder.de) werden. Das Verkehrsaufkommen steigt stetig und geht oft zu Lasten von Kindern. Sie sind von Abgasen und Lärm besonders betroffen. Durch die jahrzehntelange Favorisierung des motorisierten Individualverkehrs ist auch mit einer zunehmenden Gefährdung im Straßenraum zu rechnen. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Verkehrsgestaltung ist wichtig, damit Wege, Plätze und Straßen übersichtlich gestaltet und den besonderen Bedürfnissen angepasst werden können.

Viele Kinder leiden an Bewegungsmangel. Die Ursachen für die - im Vergleich zu früheren Generationen - geringe körperliche Aktivität von Kindern sind vielseitig: Spiel- und Bewegungsräume für Kinder werden durch zunehmende Versiegelung von Grünflächen bzw. steigenden Verkehr immer kleiner, die Nutzung von elektronischen Medien nimmt zu, die Zeitressourcen der Eltern für ihre Kinder sinken. Bei Kindern bilden Sinnestätigkeit und körperliche Aktivität Reize, die die Vernetzung der Nervenzellen unterstützen. "die umweltberatung" unterstützt Kinder daher mit dem Projekt „gehen geht!“, sich im Alltag mehr zu bewegen und ihre Motorik zu verbessern.
Das Projekt umfasst Weiterbildungsmaßnahmen für KindergartenpädagogInnen, die das Projekt selbständig in ihren Kindergärten durchführen sollen. ProjektpartnerInnen sind das Kuratorium für Verkehrssicherheit, Akmö – Aktionskreis für Motopädagogik, das NÖ Landeskindergartenreferat, die Kinderpolizei NÖ und die Aktion „Gesunde Gemeinde“. In einem Bewegungsworkshop, der von erfahrenen MotopädagogInnen entwickelt worden ist, lernen die TeilnehmerInnen auf spielerische Art und Weise grundsätzliche Aspekte der Mobilität (selbständiges Fortbewegen, Lust am Gehen) und stellen Verbindungen zu Verkehr und Umwelt her. Beim Übungsworkshop üben Kinder zusammen mit der „Kinderpolizei“ am Schulweg, sich sicher im Verkehr und auf der Straße zu verhalten. Im Vordergrund stehen dabei Lust an der Bewegung und Spaß beim zu Fuß Gehen. (Quelle: Tagungsband „Gehen geht uns alle an“)

Beteiligungsprojekte mit und für Kinder und Jugendliche widmen sich hauptsächlich der Spiel- und Freiraumgestaltung. Großer Wert wird auf Verkehrserziehung und -sicherheitsmaßnahmen gelegt, die Partizipation der jüngsten Generation im Bereich des Verkehrs ist bisher sehr selten. Denn: Verkehrserziehung heißt nicht unbedingt Partizipation!
Wie wichtig die Beteiligung von jungen Menschen an der Verkehrsgestaltung ist, zeigt sich, wenn man sich in die Sicht von Kindern versetzt. Schon wegen ihrer geringeren Größe nehmen Kinder ihre Umgebung anders wahr als Erwachsene. Sie sehen oft nicht über Autodächer hinweg, Verkehrs- und Hinweisschilder befinden sich häufig nicht in ihrer Augenhöhe. Kinder nehmen Geräusche anders wahr, sind oft unaufmerksam, können Gefahrensituationen noch nicht genau einschätzen. Das Sichtfeld ist erst ab dem 12. Lebensjahr voll entwickelt. Kinder und Jugendliche erleben so eine Reihe von Einschränkungen im alltäglichen Verkehrsgeschehen.
Ein Beispiel dafür, dass sich nicht Kinder an den Verkehr anpassen sollen, sondern umgekehrt der Verkehr an Kinder, ist die Gestaltung des Stadtteils Vauban in Freiburg. Generell wichtige Maßnahmen sind
- Maßnahmen zur Verringerung des Verkehrsaufkommens;
- Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit;
- Partizipative Verfahren bei der Planung.
(Quelle: Netzwerk Verkehrssicheres Nordrhein Westfalen)