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Die eigenen vier Wände haben mehr mit Klimawandel zu tun, als viele denken. Heizen, Warmwasser und privater Stromverbrauch bewirken in Österreich zusammen etwa ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen (www.lebensministerium.at). Energieeffizienz- und CO2-Einsparungspotenziale zu nutzen, ist deshalb im modernen, sozialen Wohnbau ein Muss. Neben dem Wohnbau ist besonders der Sanierungsbereich für die Erreichung der Klimaschutzziele relevant.
Durch eine frühzeitige und systematische Einbeziehung von Betroffenen können viele von Wohnbauträgern geäußerte Probleme von Bau- und Sanierungsmaßnahmen vermieden werden. Die Einbindung der BewohnerInnen kann grundsätzlich in drei Intensitäten erfolgen: Information, Befragung oder Mitbestimmung. Für erfolgreiche Partizipation ist bei den komplexen Planungsaufgaben im Bau- und Energiebereich ein professionelles Management erforderlich. Das ist die beste Grundlage für die Optimierung des Gesamtkonzepts.
Neben traditionellen Bau- und Sanierungsformen kommt der Beteiligung von Betroffenen vor allem in neuen Umgangsformen mit Herausforderungen im Energie- und Wohnbereich eine bedeutende Rolle zu (zB Energie-Contracting, Entwicklung eines Energiekonzepts für eine Gemeinde). Moderne Formen des Zusammenlebens wie Cohousing oder die Ökodorf-Bewegung leben von und durch die partizipative Gestaltung des gemeinsamen Wohnungs- und Lebensumfeldes. Cohousing bezeichnet Siedlungen oder Gemeinschaften, die aus privaten Wohnungen oder Häusern bestehen, in denen gleichzeitig vielfältige Gemeinschaftsnutzungen möglich sind. Öko-Dörfer sind ökologisch orientierte Gemeinschaftssiedlungen, die den Anspruch haben, nur geringfügig in die Natur einzugreifen und die ökologischen Prinzipien mit basisdemokratischen und sozialen Strukturen zu verbinden.
Für die desolaten und sanierungsbedürftigen Siedlungshäuser für ca. 1500 BewohnerInnen wurde ein ökologisches Sanierungskonzept erstellt. Die Bedürfnisse der BewohnerInnen wurden mittels Interviews mit den HaussprecherInnen der Siedlung erhoben. Darüber hinaus wurden „Grätzelbriefkästen“ installiert, um den BewohnerInnen die Möglichkeit zu anonymen Rückmeldungen und Anregungen zu geben. Bei einem großen Siedlungstreffen ergaben sich mehrere Schwerpunkte für eine Weiterarbeit, die in Arbeitskreisen mit den BewohnerInnen verfolgt wurden. Aus diesen Anfängen ergaben sich einige konkrete Projekte, die bis heute in der Siedlung durchgeführt werden. Der Sanierungsprozess wurde um ein Jahr früher als erwartet abgeschlossen. Die Investitionen konnten zur Gänze aus den angesparten Erhaltungs- und Verbesserungsbeiträgen finanziert werden.
Nähere Informationen auf den Websites von Goal Graz (pdf, 880 KB) und IFZ - TU Graz (pdf, 800 KB)
E-GEM - Das Programm für oö Energiespar-GEMeinden unterstützt oö Gemeinden bei der kommunalen Planung und Umsetzung der Energiezukunft. Die Gemeinden haben gerade im Bereich Energieeffizienz und Klimaschutz eine Vorbildwirkung für die Bevölkerung. Die Siegergemeinde 2008 ist Munderfing, welche einen Energiebaukasten entwickelte und umsetzte, der der Gemeinde Unterstützung bei der Konzeption eines lokalen Energiekonzeptes gibt. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Beteiliung und Motivation der BürgerInnen gelegt. Die sogenannte „Energiegruppe“ ist die treibende Kraft der Gemeinde. Hier arbeiten VertreterInnen aller Branchen gemeinsam an einer klimafreundlichen Energiezukunft.

Michael Ornetzeder, Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
>> Wohnen im ökologischen "Haus der Zukunft" - Buchpublikation zum Thema NutzerInnenzu-friedenheit und sozio-ökonomische Aspekte
>> Kooperative Sanierung. Modelle zur Einbeziehung von BewohnerInnen bei nachhaltigen Gebäudesanierungen
>> Erfolgreich Sanieren mit Bewohnereinbindung. Leitfaden für Bauträger und Hausverwaltungen
“Da gibt es engagierte Mieter, die verschiedene Vorschläge und Ideen haben. Wir machen vor Beginn der Sanierungsplanung Begehungen in der Wohnhausanlage. Sofern es noch Hausbesorger gibt, nehmen wir sie uns auch immer zur Hand. Die kennen ja das Haus am besten und sagen auch, was es zu tun gibt.“