Nachhaltige Ernährung als Beitrag zum Klimaschutz
Im Vordergrund der Betrachtungen zum Klimawandel stehen bislang die Bereiche Mobilität, Raumwärme, regenerative Energieerzeugung sowie die Industrie. „Querschnittsthemen“ wie eine nachhaltige Ernährung erhalten in der Klimaschutzdebatte meist wenig Aufmerksamkeit. Dabei tragen Erzeugung, Verarbeitung, Handel, Einkauf und Zubereitung von Lebensmitteln wesentlich zum Anstieg des menschenverursachten Treibhauseffekts bei. Es ist also durchaus sinnvoll zu überlegen, welche Reduktionspotentiale von Treibhausgasemissionen durch nachhaltige Ernährung bestehen.
International wird derzeit eine Reihe von Konzepten untersucht, die insbesondere durch Information der KonsumentInnen dazu beitragen, die mit der Ernährung verbundenen treibhausrelevanten Emissionen zu verringern.
Mögliche Einsparpotentiale einer nachhaltigen Ernährung
Die biologische Produktion von Lebensmitteln benötigt - bezogen auf die Produkteinheit - einen um rund 20-60% geringeren Primärenergieeinsatz als die konventionelle Produktion. Bezogen auf die Fläche haben biologische Betriebe um rund 60% geringere Emissionen. Bei zusammenfassender Betrachtung der CO2-, CH4- und N2O-Emissionen sind die Emissionen in der konventionellen Landwirtschaft sowohl je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche als auch je Tonne Produkt generell höher sind als im biologischen Landbau. BiolandwirtInnen bauen Humus nicht ab, sondern auf. Fruchtbare Erde bindet CO2.
Regionale, saisonale Lebensmittel reduzieren den Transport- und Lageraufwand. So werden laut aktuellen Berechungen beispielsweise durch den Kauf von 10% mehr regionalen Lebensmitteln diese Waren statt durchschnittlich 1.700 Kilometer nur mehr 150 Kilometer weit transportiert. Das bedeutet eine Reduktion der gefahrenen LKW-Kilometer um 166 Millionen pro Jahr. Das entspricht einer Reduktion von 116.000 Tonnen CO2. 20% aller Transportwege in Österreich entfallen auf das Essen. In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Transport-Distanzen für Waren verdoppelt.
Frisch zubereitet statt tiefgekühlt: Tiefgekühlte Lebensmittel benötigen bei der Verarbeitung sowie für die Aufrechterhaltung der Kühlkette während Transport und Lagerung große Energiemengen und bewirken erhebliche Treibhausgasemissionen. Beispielsweise verursachen Tiefkühlpommes rund 23-mal mehr CO2-Äquivalente als frische Kartoffeln.
Weniger tierische Lebensmittel: Bei der Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden 6,5 kg CO2 freigesetzt. Ein kg Obst verursacht dagegen nur 0,5 kg CO2, Gemüse sogar nur 150 g CO2. Der Nutztiersektor emittiert, gemessen in CO2-Äquivalenten, global um 18% mehr Treibhausgase als das Transportwesen.
Partizipative Projekte und Initiativen in Österreich
Neben intensiven Informationskampagnen zum Thema nachhaltige Ernährung, die sich sowohl an die EndverbraucherInnen, die Lebensmittelerzeugung als auch an den Handel richten, gibt es Pilotprojekte, die auf die direkte Beteiligung dieser Zielgruppen setzen wie auch selbstorganisierte Projekte, die auf der Initiative von BürgerInnen basieren.
- INTOKI-Projekt - Instrumente und Tools zur Einbindung von KonsumentInnen und Interessensgruppen in die Entwicklung eines nachhaltigen Produkt-Dienstleistungsportfolios: Das Projekt INTOKI setzt an der Nahtstelle zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen an. All jene AkteurInnen, die an nachhaltigen Produktions- und Konsumformen interessiert sind, sollen dazu auch beitragen können. Durch eine partizipative Prozessgestaltung können insbesondere produzierende kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) ihre KundInnen und andere relevante Interessensgruppen effizient und zielgerichtet in die Entwicklungsphase ihrer Produkte und Dienstleistungen einbeziehen.
- Die Nachhaltigen Wochen sind eine seit 2004 erfolgreich durchgeführte Kampagne auf Initiative des Lebensministeriums mit dem Ziel, den bewussten Konsum in der Öffentlichkeit zu forcieren und dadurch den Absatz von nachhaltigen Produkten zu steigern. In Kooperation mit dem Handel wird im Aktionszeitraum auf Bioprodukte, regional erzeugte, fair gehandelte und umweltschonende Produkte hingewiesen. Die Planung und jährliche Weiterentwicklung der Aktion wird im intensiven Dialog mit den Stakeholdern NGOs, Verwaltung, Wirtschaft, Handel und ExpertInnen durchgeführt.
- b-fair - globale Fairness in oberösterreichischen Agenda-21 Gemeinden: Ein Projekt von Welthaus Linz und der oö. Akademie für Umwelt und Natur für und mit LA21 Gemeinden und Regionen. In der bekannten Nachhaltigkeitsgemeinde Steinbach a. d. Steyr hat eine Gruppe von engagierten BürgerInnen für das örtliche Lebensmittelgeschäft Kriterien für nachhaltige Produkte entwickelt. Diese Produkte werden im Verkaufsregal in Rahmen gestellt und so ins Blickfeld der KundInnen gerückt. Auf diese Weise soll verdeutlich werden, dass unser täglicher Lebensmittel-Konsum Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit, regionale und internationale Landwirtschaft hat.
- BIO AUSTRIA Infobäuerinnen in Kindergärten und Schulen: Ausgebildete Info-Biobäuerinnen treten in direkten Kontakt mit SchülerInnen, erläutern die biologische Wirtschaftsweise und schaffen so ein Verständnis für biologische Landwirtschaft ebenso wie für eine gesunde Ernährung.
- Gemeinschaftsgärten: Die Idee der Gemeinschaftsgärten oder Interkulturellen Gärten stammt aus den USA und findet heute auch im deutschsprachigen Raum weite Verbreitung. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und unterschiedlichen Alters schließen sich zusammen und bewirtschaften gemeinsam einen Garten. Der (meist im urbanen Raum gelegene) Garten wird dabei zum gemeinschaftlichen Treffpunkt, in dem ein kultureller wie auch intergenerationeller Austausch stattfindet. Entscheidungen darüber, wie der Garten genutzt werden soll, laufen basisdemokratisch ab. Interkulturelle Gärten dienen demnach nicht nur der Selbstversorgung durch Gemüse und Obst, sondern stellen für viele Beteiligte eine besondere Form dar, sich gestaltend in ein Gemeinschaftsprojekt bzw. die Gestaltung des direkten Lebensumfeldes einzubringen. Gemeinschaftsgärten lassen sich als partizipative Projekte begreifen, die durch den lokalen und meist ökologischen Anbau von Gemüse zu einer nachhaltigen Ernährung und insofern dem Klimaschutz beitragen.
- Lebensmittelkooperativen: Lebensmittelkooperativen, auch Food-Coops genannt, sind ökologische Einkaufsgemeinschaften von Einzelpersonen oder Haushalten. Das Prinzip dieser selbstverwalteten Food-Coops variiert, generell beziehen die Einkaufszusammenschlüsse jedoch Lebensmittel direkt von den ErzeugerInnen (z.B. vom Bauernhof, Imkerei, Winzerei etc.) oder GroßhändlerInnen. Durch den direkten Kontakt zu den HerstellerInnen ist die Herkunft und Verarbeitung der Lebensmittel weitgehend transparent. Wenn möglich wird auf lokale und saisonale Produkte zurückgegriffen. Alle anfallenden Tätigkeiten für den Betrieb des eigenen Ladens werden von dessen Mitgliedern – meist unentgeltlich - übernommen. Entscheidungen für den Betrieb des Gemeinschaftsgeschäftes werden konsensual getroffen.