von Anton Nothegger

In allen Teilen der Welt entstehen derzeit Ökodörfer, in denen in vielfältiger Form zukunftsfähige Lebensweisen entwickelt werden. Schon etablierte Ökodörfer in Europa sind Sieben Linden in Deutschland, Svanholm in Dänemark oder auch Findhorn in Schottland. Der gemeinnützige Verein Keimblatt Ökodorf verfolgt seit November 2002 die Vision, das erste Ökodorf Österreichs zu verwirklichen. Bis 2004 in Wien, seither in Riegersburg in der Steiermark, und bald direkt vom Ökodorfgrundstück im burgenländischen Bezirk Güssing aus planen und leben wir ein gastfreundliches und weltoffenes Dorf, in dem alle Generationen, Lebensformen und Überzeugungen im Rahmen von Nachhaltigkeit und Friedfertigkeit ihren Platz haben.
Seit Oktober 2008 befinden wir uns im Prozess die ErstsiedlerInnen zu finden. Es gibt monatliche Treffen zu wichtigen Themen wie Kommunikation/Konsens, Integration, ökologisches Bauen, Organisation/Recht, Finanzierung, in denen u.a. Open Spaces und Workshops abgehalten werden. Sozial Verbindendes wie Spiel und Spaß fehlen natürlich nicht. Wir versuchen einander mittels Gewaltfreier (besser: Kooperativer) Kommunikation zu begegnen und uns auszutauschen. Gemeinsam üben wir uns auch im systemischen Konsensieren. Beide Elemente tragen zur gelungenen Entscheidungsfindung bei, wie man auch in dem von uns entwickelten Ökodorf-Planspiel, das zur Simulation der Gruppendynamik bei der Planung eines Ökodorfs dient, feststellen kann. Wir streben soziokratische Strukturen an. Als ein Beispiel mag das Konzept der KoordinatorInnen dienen, die für verschiedene Aufgabenfelder Handlungskompetenz besitzen, dort autonom agieren können. Geht es um wichtige Entscheidungen wird in größeren Runden diskutiert. Das Tagesgeschäft soll bei alledem und dadurch einfach und zugleich flexibel laufen.
Unser Ziel ist es zentrale Lebensbereiche wie Wohnen, Arbeiten, Familie und Freizeit möglichst im Nahbereich zu erfüllen, um den CO2-Ausstoß zu minimieren (siehe Kasseler-Studie). Um das zu erreichen haben wir ein umfassendes Konzept entwickelt, welches versucht, den neuesten Stand der Forschung (etwa baubiologische Korrektheit, Mehrfamiliengebäude anstelle vom Singlehomekonzept) mit bewährtem Alten (z.B. Lehm, Stroh, biologische Klärung der Abwässer, geschlossene (Produktions-) Kreisläufe) zu verbinden. Unser Ökodorf wird somit eine Modellsiedlung, in der wir Nachhaltigkeit und Lebensqualität vereinen. Unterstützt werden wir von unserem neuen Heimatbezirk, in dem der Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft mittels Besinnung auf örtlich vorhandene Rohstoffe schon voll im Gange ist (vgl. dazu die Ideen des „Transition Town Movement“). Generell leben wir verbrauchsreduziert und ressourcenbewusst, sind idealistisch selbstversorgend, und wo dies nicht möglich ist, stärken wir die Lokalwirtschaft, kaufen saisonal und achten auf das Verbleiben der Wertschöpfung in der Region (mittels Regionalwährungen u.a.m.). Wir streben dabei aber nicht nur nach einer Einbettung in der Region, sondern wollen regen Austausch und Interaktion, werden zum Impulsgeber und Leuchtturm der Nachhaltigkeit!

Ronny Wytek, Keimblatt Ökodorf


Ronny Wytek
Keimblatt Ökodorf
E-Mail: r.wytek@oekodorf.or.at
Tel.: +43 (0)3153 8253