
Ziel der sommerlichen Exkursion der Strategiegruppe Partizipation im Jahr 2008 waren zwei Projekte in Wien.
Renate Schnee, Leiterin der Bassena, gab Einblick in die vielfältigen Aktivitäten des Stadtteilzentrums und in die Entwicklung der Gemeinwesenarbeit in den 25 Jahren, die sie in der Wohnsiedlung „Am Schöpfwerk“ – einer Siedlung mit mehr als 7.500 EinwohnerInnen – tätig ist. Eine Besonderheit ihrer Arbeit liegt darin, dass sie von Anfang an – in Pionierarbeit mit anderen ebenfalls seit vielen Jahren in der Wohnsiedlung tätigen Personen wie dem Pfarrer und dem früheren Leiter des Jugendzentrums – den „Geist“ der Gemeinwesenarbeit in der Siedlung entscheidend mit entwickeln und prägen konnte. Die Arbeit der Bassena ist drei Schwerpunkten gewidmet:
Ganz wichtig ist für Renate Schnee, dass die Themen, die aufgegriffen werden, von den Menschen selber kommen und nicht von den SozialarbeiterInnen vorgegeben werden. Oft werden dabei auch auf den ersten Blick unattraktive, aber wichtige Themen wie Sperrmüll in Angriff genommen. Der wöchentlich anfallende Sperrmüll und die für die Entsorgung aufzubringenden Gebühren waren enorm hoch. Um dies ins Bewusstsein der BewohnerInnen zu bringen, wurde folgende „soziale Inszenierung“ gemacht: Für zwei Wochen wurde die Sperrmüll-Abholung in der Siedlung für gestoppt und der Sperrmüll – behördlich genehmigt – in dieser Zeit an einem zentralen Platz in der Wohnanlage gelagert. In der Siedlung bildete sich daraufhin eine BewohnerInnen-Gruppe zum Sperrmüll, die „Mistkäfer“. Die Gruppe traf sich zwei Jahre lang und überlegte mögliche andere Lösungen. Letztendlich wurde ein anderes, wesentlich günstiger anbietendes Unternehmen, die ARGE Nicht-Sesshaften-Hilfe, mit der Entsorgung des Sperrmülls beauftragt.
Grundsatz der Arbeit von Renate Schnee ist, den Menschen nicht Dinge abzunehmen, die sie selber tun können. Weitere Aktivitäten der Bassena sind der Betrieb eines eigenen Radiosenders und die Herausgabe einer BewohnerInnen-Zeitung, des Schöpfwerk-Schimmels.
Die Mitglieder der Strategiegruppe wurden nach einer anregenden Diskussion bei ihrem Besuch mit einem Büffet von Esra Yalcin vom Bassena-Team verwöhnt. Dann ging es weiter zur Lokalen Agenda 21 nach Neubau, in den 7. Wiener Gemeindebezirk.
Fotos: ÖGUT

Robert Lechner und Ulrich Aschenbrenner vom Österreichischen Ökologie Institut, Träger der agenda wien sieben, nahmen die Strategiegruppe bei der U6-Station Burggasse in Empfang und führten sie zu mehreren Projekten der Lokalen Agenda 21 in Wien 7. Besichtigt wurden die Agenda-Projekte „Wohn- & Erholungsraum Halbgasse“, „Kunstgeherzone Myrthengasse“ und die Umgestaltung des Augustinplatzes.

Die Strategiegruppe machte auch im – Anfang Juni 2008 eröffneten – Karl-Farkas-Park in der Burggasse Halt. Die Parkgestaltung war ebenfalls mit BürgerInnenbeteiligung umgesetzt worden, allerdings im Rahmen eines vom Bezirk beauftragten „top-down“-Projekts. Im Gegensatz zur relativ raschen Umsetzung dieser Parkgestaltung ziehen sich Prozesse – von der Ideengenerierung bis zur Umsetzung – bei den „bottom-up“-Projekten der Agenda oft über mehrere Jahre, was von manchen Beteiligten auch als mühsam empfunden werden kann. Aus Sicht der LA21 wäre zu befürworten, wenn im Rahmen der Agenda sowohl „top-down“- als auch von der Bevölkerung initiierte Projekte umgesetzt werden.
Die Mitglieder der Strategiegruppe diskutierten anschließend im Amerling-Beisl gemeinsam mit Robert Lechner und Leonore Gewessler von der Bezirksvorstehung Wien-Neubau über die Zukunft der Öffentlichkeitsbeteiligung und der Lokalen Agenda 21 in Wien. Als Stolperstein für Agendaprojekte kann sich erweisen, dass die Politik nicht zur Umsetzung der entwickelten Ideen und Projekte verpflichtet ist. Das wichtigste Entscheidungsgremium der agenda wien sieben ist die Steuerungsgruppe, in der von den Projektgruppen gewählte SprecherInnen und von den Parteien der Bezirksvertretung entsendete PolitikerInnen vertreten sind. Die Beschlüsse der Steuerungsgruppe werden an die Bezirksvertretung mit der Bitte um Unterstützung weiter gegeben. In Wien Neubau scheiterte die Umsetzung einiger Ideen der Agenda an einer fehlenden politischen Mehrheit.
Die Exkursion ermöglichte der Strategiegruppe Partizipation wie jedes Jahr wertvolle Einblicke in die Beteiligungspraxis.



In der Bassena: Gespannt lauschen Mitglieder der Strategiegruppe den Erzählungen von Renate Schnee, die viel Spannendes aus 25 Jahren Praxis in der Gemeinwesenarbeit zu erzählen weiß.

Die Strategiegruppe zu Besuch beim bereits umgesetzten Projekt am Augustinplatzl in Wien 7, Foto: ÖGUT

Nicht alle Schilder der Lokalen-Agenda-Stationen sind beliebt, hier die devastierte Station in der Myrthengasse.