Ziel der Exkursion der Strategiegruppe Partizipation war es, zwei Projekte in Bad Vöslau kennen zu lernen:
2007 wurde in Bad Vöslau eine Mediation begonnen, bei der es um den Bau eines muslimischen Kulturzentrums mit Moschee im Stadtgebiet ging. Diese Mediation wurde vom Bürgermeister Christoph Prinz initiiert, nachdem die öffentliche Diskussion um den geplanten Bau hoch kochte. Dem erfolgreichen Abschluss der Mediation folgten der Bau der Moschee und deren Eröffnung im Jahr 2009. Durch die Mediation ist eine neue Kultur der Zusammenarbeit und des Dialogs entstanden. Auf Initiative der aktivierten Personen entstanden zahlreiche interkulturelle Aktivitäten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt der verschiedenen ethnisch-kulturellen Gruppen in Bad Vöslau gestärkt haben.
Diese Aktivitäten hatten das Interesse der Strategiegruppe Partizipation geweckt, so dass sie am Vormittag des 28.09.2011 die Moschee in der Castelligasse 11 in Bad Vöslau besuchte. Empfangen wurde die Strategiegruppe Partizipation von Selfet Yilmaz, dem Projektleiter des türkischen >> Vereins ATIB, der auch einer der zentralen integrativen Persönlichkeiten im Mediationsverfahren war. Bei türkischem Tee informierte Selfet Yilmaz über die Moschee und das muslimische Gemeinschaftsleben. Nach der Führung durch die Moschee durch Aydin Aküz, Obmann des Vereins ATIB, und Hizir Hoca, Imam der Moschee, gesellten sich Christoph Prinz, Bürgermeister (Bürgerliste), und Andreas Zimmermann, Baudirektor von Bad Vöslau, zur Gruppe.
Die Mediation um die geplante Errichtung der Moschee wurde 2007 gestartet, als sich immer stärkerer Widerstand gegen das Projekt formierte. Die Betreiber des Projektes, der in Bad Vöslau ansässige >> Verein ATIB, stimmten der Initiative des Bürgermeisters zu, gemeinsam mit Vertretern aller im Gemeinderat vertretenen Parteien ein Mediationsverfahren durch zu führen. Die Kosten dafür trug die Gemeinde. Die Moschee sollte eines der beiden (bereits seit vielen Jahren bestehenden) kleinen islamischen Bethäuser ersetzen, die beide in einem sehr schlechten baulichen Zustand waren. Die eingereichte Planung sah einen orientalisch anmutenden Bau im Stile einer klassischen Moschee vor. Der endgültige Entwurf der Moschee entspricht nun einem Gebäude mit offenen Glasfronten und kaum mehr sichtbaren, lediglich angedeuteten Dachaufbauten aus Glas anstatt der klassischen Minarette. Außerdem wurde im Mediationsvertrag vereinbart, dass VertreterInnen der Stadtgemeinde Mitsprachemöglichkeiten im Rahmen der Aktivitäten des Vereins haben, kein öffentlicher Gebetsruf erfolgt und das Kulturzentrum ein offenes Gebäude für alle sein wird. Parallel dazu wurde unterschiedliche Initiative und Projekte zur besseren gesellschaftlichen Vernetzung (Integration) aller örtlichen Gemeinschaften initiiert.
Als wegweisend für den positiven Verlauf wurden Beteiligten folgende Punkte gesehen:
Der >> Verein ATIB lud die Mitglieder der Strategiegruppe Partizipation im Anschluss auf ein Mittagessen im Restaurant Lokanta ein, das sich auf dem Gelände der Moschee befindet.
Den Nachmittag verbrachte die Strategiegruppe unter der Betreuung von Andreas Zimmermann, Baudirektor von Bad Vöslau, Christine Hofbauer, Betreuerin seitens der NÖ Dorf- und Stadterneuerung (DSE) und Rudolf Scheuvens, Gewinner des städtebaulichen Ideenwettbewerbs "Zentrum Bad Vöslau" (Gemeinschaftsprojekt vom Büro scheuvens + wachten und der TU Wien).
Bad Vöslau wurde 2006 zum zweiten Mal in das Programm der DSE aufgenommen. In der ersten Phase beschäftigte man sich vor allem mit der Reaktivierung von Fußwegen in das Zentrum. In der zweiten Phase (2007 bis 2011) steht die Belebung des Zentrums im Vordergrund. Im Rahmen der DSE werden 20 bis 50% der Kosten von der DSE finanziert, der Rest von der Gemeinde selbst. Das Stadterneuerungskonzept wird in Arbeitsgruppen gemeinsam mit der Bevölkerung und den GemeindevertreterInnen unter der Leitung der Betreuerin der DSE erarbeitet. Die Leitthemen der Stadterneuerung wurden in Bad Vöslau in vier Arbeitsgruppen zusammengefasst: Kultur, Freizeit & Soziales, Umwelt & Ökologie, Wirtschaft & Tourismus, sowie Verkehr & Ortsbild. Ziel ist, dass diese Arbeitskreise auch nach dem Projektende weiter arbeiten und durch ihr Engagement das Gemeindeleben bereichern.
Auch das Problem des wachsenden Verkehrs wurde in Bad Vöslau angegangen. Mit dem Autobahnanschluss, der im Herbst 2011 eröffnet wurde und der damit verbundenen Rückstufung der Bundesstraße zur Gemeindestraße, bestand die Möglichkeit auf Gemeindeebene in die Verkehrsgestaltung einzugreifen.
Ziel der zweiten Phase der DSE war in Zusammenarbeit mit engagierten Bad VöslauerInnen, GemeindevertreterInnen und der städtischen Verwaltung ein Stadterneuerungskonzept erarbeiten. Die Ziele und Maßnahmen dieses Leitbildes lieferten die Grundlage für die Ausschreibung eines städtebaulichen Ideenwettbewerbes. Sechs Planungsteams beteiligten sich mit konzeptionelle Ideen und Lösungsvorschläge wie die Innenstadt von Bad Vöslau in Zukunft aussehen könnte. Gewonnen hat ein Gemeinschaftsprojekt vom Büro scheuvens + wachter und der TU Wien. Aufbauend auf dem Stadterneuerungskonzept, dem entwickelten Leitbild „Bad Vöslau - Lebenswerte Kurstadt" und den Ergebnissen des Wettbewerbes wurde dann die weitere Entwicklung der Innenstadt Bad Vöslaus mit der Bevölkerung breit und offen diskutiert und konkretisiert. Zentrale Bausteine der Beteiligung waren:
Die weitere Konkretisierung und Umsetzung des Stadterneuerungskonzepts ist für die nächsten Jahre geplant.
Zum Abschluss diskutierten die Mitglieder der Strategiegruppe bei einem lokalen Heurigen die gewonnenen Einblicke und Erkenntnisse.












Fotos: ÖGUT/Handler