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von Bettina Wanschura, PlanSinn

Mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) haben sich alle Staaten Europas verpflichtet, die heimischen Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Gemeint ist damit nicht nur die Wasserqualität, sondern auch eine naturnahe Gestaltung der Gewässerverläufe sowie die Artenvielfalt im und am Wasser. In manchen Bereichen ist das eine Herausforderung, doch gleichzeitig eine Chance für eine sorgsame Gewässernutzung und einen nachhaltigen Hochwasserschutz. Die WRRL setzt einheitliche Maßstäbe für den Zustand und die Bewirtschaftung der Gewässer und ihrer Einzugsgebiete sowie für die Information und Konsultation der Öffentlichkeit. Mit der Einbindung der unmittelbar Betroffenen verspricht man sich mehr Umsetzungskraft.
Die Idee der Flussdialoge wurde von PlanSinn gemeinsam mit der Firma tatwort entwickelt, nachdem eine Neuauflage des „Fest der Flüsse“ von Seiten des Lebensministeriums gewünscht wurde. Dieses Fest, das bisher in Wien, Salzburg, Graz und Bregenz stattgefunden hat, verfolgt das Ziel, nachhaltig auf die Bedeutung der Flüsse und Bäche hinzuweisen und in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein für Wasser und Gewässer zu entwickeln. Da zu diesem Zeitpunkt die WRRL in die Phase der BürgerInnenbeteiligung eingetreten war, war es naheliegend, eine Synergie zwischen dem „Fest der Flüsse“ und der WRRL zu schaffen. Mit dem neuen Konzept – beauftragt vom Lebensministerium (Sektion Wasser) und dem Land Oberösterreich (Umweltlandesrat Rudi Anschober) – werden Öffentlichkeitsinformation und gemeinsames Feiern um Konsultationsleistungen erweitert. Zu feiern gibt es in Österreich noch viel: Zahlreiche Flüsse und Seen haben einen guten Zustand, die ÖsterreicherInnen verfügen über gutes Trinkwasser in großer Menge – Österreich ist also insgesamt noch ein Wasserreich. Dennoch müssen Anstrengungen unternommen und muss viel Geld in die Hand genommen werden, damit bessere Bedingungen für eine Reihe von Oberflächengewässern geschaffen werden können: Alte Uferverbauungen sind zu entfernen, Flüssen ist mehr Spielraum zu geben, die Durchgängigkeit von Klein- und Großkraftwerken für
Geschiebe und Fische ist zu sichern, da und dort müssen Grundwassergebiete saniert werden.
Im Rahmen der Flussdialoge wird sowohl die organisierte Öffentlichkeit als auch die breite Öffentlichkeit via Online-Befragung konsultiert. Zum Abschluss der Dialoge wird in Linz ein Fest der Flüsse stattfinden, bei dem alle Ergebnisse des Konsultationsverfahrens präsentiert werden und das als Dank für die Teilnahme und zwecks weiterer Vernetzung ausgerichtet wird.

„Ihre Meinung ist uns wichtig!“ – unter diesem Motto wurde der Diskussionsprozess an oberösterreichischen Flüssen gestartet. Am 4. Dezember 2008 trafen abends rund 100 Menschen zum ersten Flussdialog an der oberösterreichischen Mattig im Helpfauer Hof in Uttendorf zusammen. Vor dem ersten Flussdialog herrschte Spannung, denn es war offen, wie die Resonanz aus der Bevölkerung ausfallen würde.
Die rund 100 TeilnehmerInnen kamen aus verschiedenen Interessenfeldern: Wasserverband, Forst- und Landwirtschaft, Jagd, Fischerei, KraftwerksbetreiberInnen, lokale Wirtschaft, Tourismus, Raumordnung, Naturschutz, NGOs für nachhaltige Entwicklung, Institutionen der BürgerInnenbeteiligung und Bildung, Gemeindepolitik und -verwaltung. Alle zeigten sich interessiert an den vom Gewässerbezirk Braunau und der Abteilung für Grund- und Trinkwasser des Landes OÖ gebotenen Informationen zum Zustand der Mattig und ihres Umlandes, zu kürzlich durchgeführten Maßnahmen, nächsten Umsetzungen und weiteren Visionen im Sinne der WRRL.
Bei den Dialogen an acht Tischen entwickelte sich rasch eine rege Diskussion über die Zukunft der Mattig; Ängste und Befürchtungen kamen genauso zur Sprache wie lobende Worte zu einzelnen Maßnahmen. Positive Stimmen gab es besonders zu der heuer realisierten Renaturierung der Mündung der Mattig in den Inn. Dort wurde dem Fluss – und damit Tieren und Pflanzen – wieder mehr Lebensraum gegeben, auch die Fischer freuen sich über naturnahe Reviere, Erholungssuchenden bietet der Gewässerabschnitt einen willkommenen Ort.
Positiv überrascht waren einzelne TeilnehmerInnen von der regen Diskussion. Gut angekommen ist, dass Transparenz zu den geplanten Maßnahmen geboten wurde sowie dass alle verschiedenen Interessensgruppen an einem Tisch zusammensaßen und versuchten, Konsens für die Sicherung der Lebensqualität im Mattig-Tal zu finden.
Nach den Tischrunden im kleinen Kreis wurden die Gespräche im Plenum resümiert. Aus nachträglich geführten Interviews und vielen persönlichen Rückmeldungen wurde der Abend als durchwegs sehr informativ eingeschätzt. Die These, dass am Wirtshaustisch wertvolle Diskussionen geführt werden können, Vernetzung und gegenseitiges Verständnis entstehen können, ist aufgegangen. Ein Abend kann allerdings nur einen Impuls in eine Richtung geben, der weiter verfolgt werden muss, um tatsächlich Konsens zu heiklen Themen zu finden, wie beispielsweise Durchgängigkeit von alten Kleinkraftwerken, Baugenehmigungen in Hochwasserschutzräumen, die Schuldfrage bei Grundwasserverunreinigungen oder die Frage, wie mehr Uferzonen ins Uferschutzprogramm integriert werden können.
Der Flussdialog Mattig war einer von fünf Dialogen, die in oberösterreichischen Flusseinzugsgebieten bis März 2009 im Zeichen WRRL geführt werden. Die nächsten Dialoge finden an der Oberen Traun, der Krems, der Großen Mühl und der Maltsch statt. Ab März 2009 erfolgt die Online-Befragung der Öffentlichkeit, die mit Spannung erwartet wird, weil noch viele Fragen offen sind: Welche Chancen und Risiken birgt die digitale Kommunikation? Wie bereit sind die verschiedenen Alters- und Bevölkerungsgruppen, an Online-Kommunikation teilzunehmen? Antworten darauf und mehr Information zu den Dialogen gibt es beim „Fest der Flüsse“ am 1. Juli 2009 im Linzer Lentos Museum.


Bettina Wanschura, PlanSinn

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