Governance bezeichnet allgemein das Steuerungs- bzw. Regelungssystem in einer Gesellschaft. Verschiedene Interessen von privaten und öffentlichen AkteurInnen (Bevölkerungsgruppen, Unternehmen, Politik und Verwaltung) werden über dieses System ausverhandelt und umgesetzt.
Der Begriff Governance ist relativ jung und leitet sich vom englischen Government (Regierung) ab. Es gibt keine passende deutsche Übersetzung.
Government steht für das traditionelle Lenken einer Gesellschaft über eine ‚top down’ funktionierende Regierung.
Governance soll ausdrücken, dass an der Steuerung und Regelung nicht nur der Staat, sondern auch die Privatwirtschaft und die Öffentlichkeit (Vereine, Interessensvertretungen, BürgerInneninitiativen, Medien, …) beteiligt sind, die über formelle und informelle Netzwerke zusammenwirken. Die Rolle des Staates soll nicht untergraben sondern neu definiert werden. Partizipation spielt dabei eine große Rolle.
In unserer Gesellschaft wird der Ausgleich verschiedener Interessen traditionellerweise über das demokratische System des Nationalstaates bestimmt. Die Zivilgesellschaft kann in einer Demokratie indirekt über die Wahl, über Parteizugehörigkeit und die Mitgliedschaft in Interessenvertretungen auf politische Entscheidungen Einfluss nehmen (man spricht von indirekter Demokratie).
Dieses Modell des Regierens gerät unter anderem aufgrund des sozialen Wandels und den daraus folgenden gesellschaftlichen Umbrüchen an seine Grenzen. Die gesellschaftlichen Aufgaben nehmen zu, die Probleme, die von den Regierungen zu lösen sind, werden komplexer. Es wird für die Regierungen immer schwieriger, die ihnen zugeteilten Aufgaben zu finanzieren und umzusetzen.
Das politisch-administrative System ist vor die Herausforderung gestellt, auf diese Veränderungen zu reagieren. Reformen sind sowohl systemintern (Verwaltungsmodernisierung) als auch nach außen im Diskurs mit der Zivilgesellschaft nötig.
Während Government für formelle, durch Verfassung, Recht und Gesetz definierte Politik steht, setzt Governance auf informelle Regelungen und nicht institutionalisierte Formen des Regierens.
Die beschränkten Partizipationsmöglichkeiten der indirekten Demokratie werden erweitert: unter anderem sollen neue partizipatorische Ansätze eine breite Diskussion mit der Öffentlichkeit ermöglichen und NGOs, BürgerInneninitiativen, soziale Bewegungen etc. in Fragen der Steuerung und Umsetzung einbinden.