Es gibt zwei grundlegende Richtlinien der Europäischen Union, die Wasser betreffen: die Wasserrahmenrichtlinie und die Hochwasserrichtlinie. In beiden Richtlinien wird die Einbeziehung der NutzerInnen und der Öffentlichkeit gefordert. Wie diese Richtlinien jedoch genau umgesetzt werden sollen, bleibt auf Grund der so unterschiedlichen gesellschaftlichen und naturräumlichen Voraussetzungen den einzelnen Staaten überlassen. Das Handbuch “Planning and implementing communication and public participation processes in flood risk management“, das im Rahmen des Projekts ERA-Net CRUE-IMRA entstanden ist, beschreibt, wie in Österreich die Einbindung der breiten Öffentlichkeit, der Betroffenen und der Interessensvertreter in Hochwasserprojekten konkret aussehen und wie Dialoge über Hochwasserrisiko gestaltet werden können.
Hochwasserprojekte sind oft stark von Expertenmeinungen dominiert. Mögliche Mitsprache und Spielräume für die Beteiligung von InteressensvertreterInnen und betroffenen BürgerInnen müssen meist erst sichtbar gemacht werden. Die VertreterInnen der Wasserwirtschaft gehen mit ihrem juristischen und technischen Hintergrundwissen in solche Prozesse hinein. Im Gegensatz dazu ist jedoch die Wahrnehmung von Risiko in der Bevölkerung stark von individuellen Erlebnissen, Bildungsniveau, Geschlecht, Einstellungen und Werthaltungen geprägt.
Das Erfassen, Messen, Beeinflussen und Verändern des Risikobewusstseins der Bevölkerung als auch der Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit Hochwasser stehen im Zentrum des Handbuches. Es verbindet herkömmliche Methoden von Risikokommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung mit neuen innovativen Ansätzen. So wurde erstmals der Ansatz der sozialen Milieus für die Planung von Risikokommunikation zum Thema Hochwasser in drei Fallstudien mit unterschiedlichen Arten von Einzugsgebieten erprobt. Die drei Fallstudien fanden an folgenden Flüssen statt: der Wupper (Deutschland), dem Chiascio (italien) und der Möll (Österreich). Als zusätzliches neues Element wurde ein auf Indikatoren basierendes Instrument zur Erfassung und zum Monitoring von Risk Governance im Hochwassermanagement angewandt.
Das Handbuch besteht aus einem Leitfaden und einem Methodenbaukasten. Es ist in 12 Schritte beginnend bei der Planung des Prozesses bis hin zur Evaluation gegliedert und erlaubt so eine schnelle Orientierung für PraktikerInnen aus der Wasserwirtschaft. Damit soll der Leser in die Lage versetzt werden, eine auf seine spezifischen Anforderungen abgestimmte Kommunikations- und Partizipationsstrategie entwerfen und umzusetzen zu können.
Die Einbindung der Öffentlichkeit und die Erhöhung des Risikobewusstseins stehen dabei im Zentrum aller Prozesse und Methoden. Zusammenfassende Übersichten und Tabellen stellen die Querbezüge zwischen den Verfahrensschritten und den Methoden dar.
Das Umweltbundesamt erstellte auch einen >> Leitfaden zu Öffentlichkeitsbeteiligung im Hochwasserschutz.