Hochwasserschutzmanagement ist ein komplexer Prozess, in dem rechtliche Rahmenbedingungen auf technische Voraussetzungen, ökologische, ökonomische und planerische Erfordernisse sowie politische Wünsche treffen. Dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung und einem modernen Verwaltungsverständnis folgend, sollen Wasserbauprojekte außerdem transparent und unter Einbeziehung der Betroffenen und Abwägung aller Interessen erfolgen. Starke Impulse erhielt die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen von Hochwasserprojekten vor allem durch die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (WRRL).
Projekte mit Öffentlichkeitsbeteiligung sind oft ein intensiver gemeinsamer Lernprozess für alle Beteiligten: für die MitarbeiterInnen der Verwaltung, der technischen Büros und auch für die teilnehmenden VertreterInnen der organisierten Öffentlichkeit und die Bevölkerung. Die Anforderungen sind hoch: Betroffene sollen beteiligt werden, Gemeinden sollen solidarisch zusammenarbeiten und die Komplexität der Materie erfordert auch die Zusammenarbeit verschiedener fachlicher Disziplinen sowie verschiedener Abteilungen der Bundesländer und Ministerien. Kennzeichen von Projekten zum Hochwasserschutz ist auch, dass es manchmal aus rechtlichen oder technischen Gründen nur wenig Möglichkeiten für Verhandlungen oder Alternativlösungen gibt.
Der Leitfaden „Öffentlichkeitsbeteiligung im Hochwasserschutz“ macht Spielräume und Möglichkeiten für Öffentlichkeitsbeteiligung unter solchen Voraussetzungen sichtbar. Der Leitfaden ist in einen methodischen Teil (Vorteile und Grenzen von Beteiligungsverfahren, rechtliche Rahmenbedingungen, Prozessdesign, Akteurs- und Umfeldanalyse, Methoden, Konflikte etc.) und eine Sammlung von elf Beispielen für Öffentlichkeitsbeteiligung in österreichischen Hochwasserschutzprojekten gegliedert.