>> Vortrag Bernhard Peschek, Leube GmbH
>> Vortrag Alexander Walcher, ASFINAG
Unternehmen können stark von Öffentlichkeitsbeteiligung profitieren – indem sie Beteiligung ermöglichen oder sich selbst aktiv z.B. an der Entwicklung ihrer Gemeinde oder Region beteiligen.
Wie Beteiligung gestaltet werden kann, damit sie den angestrebten Erfolg bringt und in welcher Relation Aufwand, Kosten und Nutzen bei einem Beteiligungsprozess stehen, waren Kernfragen der Veranstaltung, die auf Initiative des Lebensministeriums von der ÖGUT organisiert wurde.
Nach der Begrüßung durch Christian Friesl von der Industriellenvereinigung und einleitenden Worten von Elisabeth Freytag vom Lebensministerium führte Martina Handler von der ÖGUT mit ihrem Beitrag „Warum beteiligen? Argumente für Unternehmen“ in das Thema der Veranstaltung ein. Im Anschluss daran fokussierten die folgenden beiden Vorträge auf kooperative Unternehmenspolitik in der Praxis.
Bernhard Peschek von der Leube GmbH erläuterte, mit welchen Anrainerkonflikten sich das Zementwerk Leube im Zuge des geplanten Einsatzes von Ersatzbrennstoffen in der Vergangenheit konfrontiert sah. Durch ein Mediationsverfahren und die Einrichtung des „Bürgerbeirates Gartenau“, in dem spezielle Unternehmensbelange zwischen der Geschäftsführung und den AnrainerInnen diskutiert werden und eine offene Informationspolitik gelebt wird, konnten konsensuale Konfliktlösungen gefunden und ein dauerhaft konstruktives Gesprächsklima etabliert werden. (Details zum Bürgerbeirat: http://www.partizipation.at/186.html und http://www.buergerbeirat-gartenau.at/).
Alexander Walcher von der ASFINAG referierte anschließend über „BürgerInnenbeteiligung in der Verkehrsinfrastrukturplanung“. Eine seiner Hauptaussagen lautete, dass es von der Situation, dem Zeitpunkt und der Projektstufe abhängt, wie und in welchem Umfang Öffentlichkeitsbeteiligung stattfinden sollte. Außerdem sind seiner Ansicht nach v. a. drei Faktoren für eine zufrieden stellende Realisierung von Verkehrsinfrastruktur-Projekten unabdingbar: die verständliche Erklärung technischer Informationen, die Vereinbarung klarer Spielregeln und die frühzeitige Klärung von Erwartungshaltungen der involvierten BürgerInnen.

Nach einer regen Diskussionsrunde sprach Heinz Peter Wallner von Wallner&Schauer zum Thema „Unternehmen als Akteure in lokalen/regionale Beteiligungsprozessen“. Eine Erkenntnis seiner langjährigen Erfahrung als „Nachhaltigkeitsberater“ ist, dass Unternehmen nicht immer aus Kosten- und Nutzenüberlegungen heraus Entscheidungen treffen, sondern sich an lokalen Entwicklungsprozessen aktiv beteiligen, weil es für sie ganz einfach Sinn macht. Anhand von Beispielen aus der Praxis stellte Wallner die Erfolge der Anwendung neuer Business-Modelle anschaulich dar.
Als letzte Rednerin sprach Astrid Rössler, Juristin und Mediatorin. In ihrem Vortrag über das „Risiko Beteiligung? Mit Know-how und Qualitätskriterien zum Erfolg“ machte sie deutlich, dass das Risiko für Unternehmen viel eher durch Nicht-Beteiligung entsteht als durch Beteiligung. Damit Beteiligung erfolgreich verlaufen kann, müsse das Angebot allerdings ernst gemeint sein. Die Bereitschaft zur Begegnung auf Augenhöhe erfordere auch Mut: Zuhören, Wertschätzung und die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel.

Die Ergebnisse der regen Diskussion werden, wie Rita Trattnigg vom Lebensministerium, die den Abend moderierte, ankündigte, in ein Argumentarium "Zehn Argumente für Unternehmen & Öffentlichkeitsbeteiligung" einfließen. Diese Publikation wird nach ihrer Fertigstellung Unternehmen sowie Interessenvertretungen der Wirtschaft zur Verfügung gestellt.