>> Soziokratisches Zentrum Deutschland, Österreich und Schweiz
>> brand eins 01/09, Artikel "Die ideale Welt" (PDF; 2,6 MB)
Soziokratie (lat. socius = Gefährte, griech. kratein = regieren) ist ein Modell der Steuerung und Entscheidungsfindung in Prozessen und Organisationen, das von der Gleichwertigkeit aller Beteiligten ausgeht. Wichtigste Prinzipien sind, dass nur dann eine Entscheidung getroffen wird, wenn keine/r der Anwesenden einen schwerwiegend begründeten Einwand hat (= Konsentprinzip oder Kein-Einwand-Prinzip) und dass alle in einem Kreis zur Entscheidung beitragen.
Die vier Grundprinzipien der Soziokratie sind:
1.) Das Konsentprinzip*
Eine Entscheidung gilt dann, wenn kein Teilnehmer einen schwerwiegenden und argumentierten Einwand gegen einen zu fassenden Beschluss hat (ist kein Vetorecht, sondern das Aushandeln auf der Basis von nachvollziehbaren Argumenten).
2.) Die Organisation in Kreisen
Ein Kreis ist eine Gruppe von Menschen, die regelmäßig zusammenkommen und ein gemeinsames Ziel erreichen wollen. In diesem Kreis werden alle Grundsatzentscheidungen getroffen, ausgeführt und ihre Zielerreichung gemessen.
3.) Doppelte Koppelung der Kreise (soziokratisches Organisationsmodell)
Die Verbindung zwischen zwei Kreisen besteht aus einer doppelten Verknüpfung. Einmal wird von oben eine LeiterIn bestimmt, dann von unten ein/e DelegierteR gewählt. Das bedeutet, dass wenigstens zwei Personen eines Kreises an der Beschlussfassung im nächst höheren Kreis beteiligt sind.
4.) Die soziokratische Wahl von Personen
FunktionsträgerInnen und Delegierte werden nach offener Besprechung und mit Konsent* gewählt.
* Konsent ist nicht Konsens. Konsent heißt nicht „Ja, ich stimme zu!“, sondern „Ich habe keinen schwerwiegenden Einwand dagegen“. Ein solcher Beschluss wird in dem Kreis gemeinsam und kreativ auf der Basis von Argumenten gefunden und liegt dann innerhalb des Toleranzbereiches jeder Mitwirkenden im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel.
Die Soziokratie wurde in den Niederlanden von Gerard Endenberg auf der Grundlage der Ideen des Sozialreformers Kees Boeke entwickelt.
Soziokratische Moderation der Kreissitzung
Die zentralen Elemente sind:
Der/die ModeratorIn arbeitet sehr stark lösungsorientiert. Er/sie kann auch Gruppenmitglied sein.
Prinzipien der soziodemokratischen Moderation:
Weitere Informationen zum soziokratischen Organisationsmodell siehe Kasten rechts.
Organisation und Soziokratie müssen zusammenpassen: die Methode fördert ein kooperatives Miteinander, Eigenmotivation, Selbstverantwortung und verändert langfristig die Organisationskultur: Das Argument zählt und nicht die Position der Beteiligten; Herrschaftshierarchien werden zu funktionalen Hierarchien verändert.
Stufe der Beteiligung:
Mitbestimmung
Dauer der Durchführung:
variabel (eine Sitzung bis permanente Organisationsform)
Anzahl der Beteiligten:
für kleine, mittlere und große Gruppen geeignet
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>> brand eins 01/09, Artikel "Die ideale Welt" (PDF; 2,6 MB)
„Die Soziokratie ersetzt die Macht der Mehrheit durch die Macht des Arguments.“
>> Buck, John; Sharon Villines: We the people – Consenting to a Deeper Democracy - A Guide to Sociocratic Principles and Methods, 2007