
Teambiografie nonconform architektur vor ort
nonconform architektur vor ort sind Roland Gruber, Peter Nageler und Caren Ohrhallinger; das Büro wurde 1999 in Wien gegründet, 2008 eine Zweigstelle in Kärnten. Studium der Architektur in Graz, Linz, Oslo, Wien und Zürich; Studium von Kulturmanagement in Salzburg; seit 2006 Lehrtätigkeiten an der TU Wien und Kunstuniversität Linz.
Der Arbeitsschwerpunkt liegt vor dem üblichen Planungsprozess – Auftraggeber und Betroffene werden in den Entwicklungsprozess miteingebunden und können in jeder Phase eingreifen und mitwirken. Mit dieser Art des Arbeitens hat nonconform zahlreiche nationale und internationale Preise gewonnen und wurde mit dem Staatspreis für Consulting 2008 (Jurypreis) ausgezeichnet.
Kontakt: office(at)nonconform.at, Internet: www.nonconform.at
Die Entwicklung von Bauprojekten in Städten und Gemeinden muss sich radikal ändern, damit wirklich zukunftsfähige Projekte entstehen können. Das Architekturbüro nonconform architektur vor ort hat eine neue Methode der partizipativen Planung entwickelt, bei der ArchitektInnen mit dem gesamten Büro direkt vor Ort gehen und dort live mehrere Tage gemeinsam mit der Bevölkerung arbeiten und Lösungen entwickeln. Die interessantesten Vorschläge werden am Schluss in einer Abstimmung ermittelt, die die Basis für eine erfolgreiche Realisierung bildet.
Anruf einer österreichischen GemeindeamtsleiterIn im Architekturbüro: „Bei uns steht dringend eine Hauptplatzgestaltung an. Auch das Gemeindezentrum ist zu klein und soll erweitert werden… Liebe ArchitektInnen, können Sie nicht schnell eine Skizze machen, wie das ausschauen könnte und was es kosten würde. Wir benötigen das für die Gemeinderatssitzung nächste Woche, sonst geht sich eine Realisierung vor der Wahl nicht mehr aus. Das muss wirklich rasch passieren, sonst haben wir auch noch eine Bürgerinitiative am Hals.“
Wie reagiert ein Architekturbüro im Normalfall auf eine Anfrage dieser Art? Erst erfreut über einen potenziellen Auftrag, beginnt sich bald auch Skepsis breitzumachen – die Vorgangsweise ist schlicht unseriös. Schlussendlich wird die Aufgabe doch Teil der Arbeit für die nächsten Tage, warum soll ein Auftrag abgelehnt werden. Allerdings fehlt die nötige Zeit, sich substanziell mit dem Kontext auseinander zu setzen. Auf Basis von zugesendetem Planmaterial und vagen Aussagen über die genaue Aufgabenstellung wird eine architektonische Idee entwickelt und rechtzeitig zur Gemeinderatssitzung übermittelt. Dadurch werden ArchitektInnen zu Erfüllungsgehilfen von unklaren Aufgabenstellungen und so auch indirekt Mitverursacher von Fehlentwicklungen und bestenfalls als kosmetische Verschönerer wahrgenommen. Ein wirklich zukunftsfähiger Entwicklungsprozess sieht vollkommen anders aus.
Vor jeglicher Bauaktivität – egal ob Neu-, Zu- oder Umbau, ob Sanierung oder Erwerb eines Gebäudes, ob Gestaltung öffentlicher Räume oder andere Infrastrukturmaßnahmen – muss der Bedarf grundsätzlich und vertieft geklärt werden. Dazu braucht es die kreative Entwicklung unterschiedlicher Szenarien. In der Phase der Bedarfsklärung werden die Weichen für oder gegen ein Projekt, für die Dringlichkeit und die Art eines Projekts gestellt. Deshalb muss der Bedarf unter Berücksichtigung von vielfältigen Objekt- und gemeindespezifischen Kriterien sowie von BauherrInnen-Wünschen entsprechend geplant, kritisch beleuchtet, hinterfragt werden und auch gestalterische Möglichkeiten müssen bereits ausprobiert werden. Vieles kann hier problemlos experimentiert und wieder verworfen werden bis sich die ideale Lösung – meist fast wie von selbst – ergibt.
Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass es gerade in dieser Phase zu schwerwiegenden Fehlentwicklungen kommt, die später nur mehr schwer auszubessern sind – Bauen kostet viel Geld, da macht eine ordentliche (Vor-)Planungsphase absolut Sinn. Wenn der Bedarf konsequent geplant bzw. kritisch hinterfragt wird, kann dies von Fall zu Fall auch zum Ergebnis führen, dass nicht neu gebaut, sondern ein bestehendes Objekt um- und zugebaut wird. Es kann aber auch dabei heraus kommen, dass erst später, in mehreren Etappen oder überhaupt nicht gebaut wird.
Für uns ist in dieser entscheidenden Phase der Zukunftsentwicklung die Einbeziehung der Bevölkerung das wesentliche Kriterium für wirklichen, nachhaltigen Erfolg. Dies stellt eine Herausforderung für den Planungsprozess dar, der mit klassischen Werkzeugen von ArchitektInnen nicht mehr machbar ist. Neue Arbeitstechniken sind notwendig. Ein gemeinschaftlicher, kreativer Ideenfindungsprozess muss motivierend, mit viel Frischluft versehen und erlebnisreich sein und allen Beteiligten Spaß machen. Nur so entsteht genügend Freiraum für neue Ideen. Dafür ist ein spannendes Setting hilfreich, das mittels spezifischer Moderationstechniken, spezieller Events und anderer Aktivitäten gesteuert wird. Das Aufgabengebiet der ArchitektInnen wird durch diese Art des Arbeitens um die Tätigkeit als ModeratorIn und KommunikatorIn, VeranstaltungsorganisatorIn, MedienbetreuerIn sowie insbesondere der IdeenmanagerIn im Vorfeld von Bauaufgaben erweitert.
Das gesamte nonconform Architekturteam fährt mit Büroequipment zur AuftraggeberIn und dort – direkt vor Ort – richten wir für mehrere Tage ein temporäres Büro ein. Gemeinsam mit allen Beteiligten werden Ideen für die Aufgabe entwickelt. Die Ideenfindung wird dabei transparent, prozesshaft und gemeinschaftlich. Wir arbeiten live. Die AuftraggeberIn und das beteiligte Umfeld können in jeder Phase eingreifen und mitwirken. Dieser „live vor ort“ Ideenfindungsprozess fördert bei allen Mitwirkenden das Vertrauen und die Identifikation mit den entwickelten Lösungen. Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist es, externe ExpertInnen aus themenrelevanten Bereichen, die über den Tellerrand blicken, mit ins Team zu holen. Das lokale Know-how und der breite Input von außen werden mit unserem Fachwissen kombiniert. So filtern wir schließlich aus der Summe der Eindrücke, Vorgaben und Vorschlägen eine Vielzahl an Ideen heraus und produzieren mehrere mögliche Szenarien für die Aufgabe. Der entscheidende Vorteil für uns als ArchitektInnen ist es, dass wir diese Zukunftsszenarien sofort auf eine Machbarkeit überprüfen, in 3D bauen, mit Fotomontagen und bunten Skizzen visualisieren und auch die Kosten sofort berechnen können. Dadurch bleiben die ausgearbeiteten Vorschläge keine unerreichbare Vision sondern werden realitätsnah und auch leicht verständlich vermittelbar. In einer gemeinsamen Abstimmung wird ein „Siegerszenario“ gewählt, das in der Folge weiterbearbeitet wird. Die Begleitung des „Vor Ort Prozesses“ im Internet (Liveübertragung, Ideengläser, Web-Stammtische, Online-Voting etc.) wird derzeit im Rahmen des departure Forschungsprogramms entwickelt und im Frühjahr 2011 online sein.
Die Vorteile einer Ideenwerkstatt vor Ort sind offensichtlich: Schon im Vorfeld kann in den kreativen Prozess eingegriffen werden, Irrläufe lassen sich so vermeiden. Die Methode ist zeitsparend und reduziert den Kommunikationsaufwand beträchtlich, sie verhindert Missverständnisse und Kommunikationsfehler. Bei herkömmlichen Planungsprozessen für Bauaufgaben kommt es oft im Nachhinein zu Diskussionen und Konflikten; das wird hier durch die transparente und nachvollziehbare Ideenfindung vermieden. Wir ArchitektInnen sind vor Ort und intensiv in das lokale Umfeld eingebunden, das optimiert die Projektarbeit und stärkt die Identifikation mit den Menschen. Die kreative Arbeit wird zu einem einzigartigen Erlebnis und wird live miterlebt. Der gesamte Prozess wird professionell medial begleitet und bringt positive Stimmung in den ganzen Ort, da agiert und nicht nur reagiert werden kann.
Mehr unter www.nonconform.at
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