Inhaltsbereich überspringen und zur Navigation springen Logo
Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

home kontakt impressum sitemap english version

 
PDF Version   drucken Seite druckenSchriftgröße     

12/11 KARIN TRAXLER

Bildung für Nachhaltige Entwicklung – eine Bereicherung für Partizipation!

Mag.a Karin Traxler hat an der JKU Linz Wirtschaftspädagogik studiert und ist seit 2007 als Regionalmanagerin für Nachhaltigkeit und Umwelt in der Regionalmanagement Oberösterreich GmbH für die Region Mühlviertel tätig. Arbeitsschwerpunkte: Projektentwicklung und –beratung für Nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung, Partizipation durch Lokale Agenda 21 Prozesse sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Gegenwärtig ist sie berufsbegleitend Studentin des Masterstudienganges der Politischen Bildung an der JKU Linz.

Kontakt: karin.traxler(at)rmooe.at
Foto: Land OÖ/Dedl

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer." (Antoine de Saint-Exupéry)

Wenn heute über Partizipation im Rahmen von Lokalen Agenda 21-Prozessen nachgedacht wird, sieht man sich mit dem Leitbild Nachhaltiger Entwicklung konfrontiert. Dabei wird Nachhaltige Entwicklung als gesellschaftlicher Such- und Lernprozess verstanden, in welchem Partizipation grundlegend angelegt ist.

In Agenda 21-Prozessen wird das globale Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung im lokalen Kontext aufgegriffen. Dabei werden unter Beteiligung der BürgerInnen ein Orientierungsrahmen und Maßnah-men für eine zukunftsorientierte Gemeinde-, Regional- oder Stadtentwicklung ausgehandelt. Wesentlich geht es darum, gemeinsame Vorstellungen über Zukunfts- und Entwicklungsfragen zu konkretisieren. Dazu braucht es ein gelingendes Wechselspiel zwischen individuellen Handlungen sowie gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Neben der Thematisierung der Rahmenbedingungen geht es in diesen gesellschaftlichen Lern- und Suchprozessen einerseits immer um die Gestaltung qualitätsvoller Partizipationsprozesse, andererseits auch um die Frage nach dem individuellen Lernen in und durch Partizipationsprozesse(n). Denn: Zuallererst muss es um die Verantwortung und die Befähigung des Individuums zum gelingenden Diskurs über Nachhaltige Entwicklung gehen, um die Gestaltungskompetenz der Menschen zu stärken, (auch) als Ressource für Partizipationsprozesse.

Eine bereichernde Perspektive dafür kann Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BiNE) darstellen. Darunter wird die „Entfaltung von Lebensbewältigungs- und Lebensgestaltungskompetenz in sozialer, ökologischer, ökonomischer und politischer Verantwortung gegenüber den Bedürfnissen der gegenwärtigen und kommenden Generationen“ (Heinrich  et al. 2007, S. 130) verstanden. Letztlich geht es dabei um die Auseinandersetzung mit Werten.

Von der österreichischen ExpertInnengruppe Bildung und Nachhaltige Entwicklung wurden fünf Mindeststandards identifiziert, welche handlungsleitend sein sollen (auch für Partizipationsprozesse im Sinne Nachhaltiger Entwicklung):

  1. Zumindest die ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen müssen im Sinne zukunftsfähiger Entwicklungen zusammen gedacht werden.
  2. Die Position muss sich als demokratisch in dem Sinn erweisen, dass ihr partizipative Elemente immanent sind.
  3. Die Position muss sich als human erweisen, wozu zumindest eine Übereinstimmung mit den Menschenrechten auch vor dem Hintergrund der globalen Entwicklungen notwendig ist.
  4. Die Position muss Möglichkeiten eröffnen, eigene Standpunkte mehrperspektivisch zu hinter-fragen.
  5. Die Position muss Vorstellungen dazu anbieten können, was sie zur individuellen Handlungsfähigkeit in einer neuen Qualität im Sinne der drei erstgenannten Punkte beiträgt (Heinrich et al. 2007,S. 23).

Agenda 21-Prozesse sind per se Orte der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Und in diesem Zu-sammenhang beschäftigen mich folgende Fragen:

  • Wie und wodurch können wir in Agenda 21-Prozessen die individuelle Gestaltungskompetenz der engagierten Menschen bestmöglich stärken und stützen?
  • Wie können wir die qualitätsvolle Tiefe der Auseinandersetzung mit den Themen der Nachhaltigkeit in Agenda 21-Prozessen verstärken?
  • Wie stoßen wir im Rahmen der Agenda 21-Arbeit das Nachspüren von brennenden Fragen für Zukunftsfähigkeit bei den beteiligten Personen an?
  • Wie werden die persönlichen Beteiligungserfahrungen der Menschen zu aktiven Lernerfah-rungen die persönliche Weiterentwicklung ermöglichen, auch als Ressource für neues Engagement?

Diese Fragen waren der Anstoß für die Idee eines regionalen Nachhaltigkeitslehrganges, welche von der Agenda 21-Region Mühlviertler Alm aufgegriffen wurde. Gemeinsames Ziel war es, einen qualitätsvollen Rahmen zu schaffen, der methodisch und inhaltlich den oben angeführten Fragen nachspürte. Das freiwillig engagierte Agenda 21-Kernteam hat mit den regionalen Netzwerkpartnern Regionalmanagement OÖ GmbH, der Leitstelle Agenda 21 des Landes OÖ und der SPES-Akademie eigenverantwortlich einen regionalen Nachhaltigkeitslehrgang, eine Seminarreihe mit Praxisprojektbegleitung, konzipiert. Damit wurde ein lebendiger Raum des Lernens, des Erfahrens, des Nachdenkens und Reflektierens eröffnet, welcher das Denken in größeren Zusammenhängen förderte sowie die Vorstellungen über regionale Möglichkeiten ausweitete.

Einige Elemente waren für mich besonders bei der Gestaltung und Durchführung des Lehrganges:

  • Dieser Lehrgang war getragen von hoher regionaler Selbstverantwortung und -organisation. Die besondere Berücksichtigung der regionalen Bedürfnisse und Gegebenheiten hat ein für 10 Gemeinden angepasstes Lehrgangsangebot entstehen lassen. Ein starkes Identitätsgefühl war damit verbunden.
  • Die Gestaltung und Durchführung lebte stark vom freiwilligen Engagement und der Wert-schätzung des regionalen Agenda 21-Kernteams.
  • Die Inhalte des Lehrganges (z.B. Demographische Entwicklung und Familien, Sozialkapital und Natürliches Kapital) orientierten sich an den Themen des Agenda 21-Strategiepapieres der Region.
  • Bei den Inhalten wurde versucht, die globalen und allgemeinen Fragestellungen mit regionalen Ansätzen zu verbinden. So wurde zum Beispiel bei der Modulgestaltung darauf geachtet, dass neben den Gastvortragenden regionale ReferentInnen ihre Erfahrungen und ihr Wissen weitergeben konnten.
  • Die feste Verbindung der TeilnehmerInnen über 8 Module hinweg hat viel Sozialkapital gene-riert, welches die Projektideenfindung und -umsetzung befeuert hat.
  • Dieser Lehrgang hat die Elemente Qualifizierung & inhaltliche Auseinandersetzung, Prozessgestaltung & Lebendigkeit für Engagement sowie Projektumsetzung im methodischen Design miteinander verbunden.  
  • Der Lehrgang hat die unterschiedlichsten TeilnehmerInnen angezogen. Diese Heterogenität bewirkte die vielfältigsten Projekte, Spannung und mehrperspektivische Zugänge.

Das Ergebnis sind 24 AbsolventInnen des ersten regionalen Nachhaltigkeitslehrganges, die mit Freude und Engagement 13 Projekte für die regionale gemeinwohlorientierte Zukunftsarbeit der Region Mühlviertler Alm im Rahmen der Agenda 21 initiiert und umgesetzt haben. Als MultiplikatorInnen und Wissensträger für Beteiligung und Nachhaltige Entwicklung bilden sie ein neues regionales Netzwerk von AkteurInnen, welches die Region stärkt! Dieses regionale Bildungsangebot hat den regionalen Agenda 21-Prozess als lernenden Prozess gestärkt!

Literatur:
Heinrich, M./Minsch, J./Rauch, F./Schmitdt, E. & Vielhaber, Ch. (2007): Bildung und Nachhaltige Entwicklung: eine lernende Strategie für Österreich. Empfehlungen zu Reformen im Kontext der UNO-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung (2005-2014).

Die auf der Webseite www.partizipation.at veröffentlichten "Standpunkte" geben die Auffassungen der AutorInnen wieder und müssen nicht jenen des Lebensministeriums entsprechen.

Wenn Sie einen Kommentar zu diesem Standpunkt abgeben wollen -
>> Schreiben Sie uns!