
Mag.a Karin Traxler hat an der JKU Linz Wirtschaftspädagogik studiert und ist seit 2007 als Regionalmanagerin für Nachhaltigkeit und Umwelt in der Regionalmanagement Oberösterreich GmbH für die Region Mühlviertel tätig. Arbeitsschwerpunkte: Projektentwicklung und –beratung für Nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung, Partizipation durch Lokale Agenda 21 Prozesse sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Gegenwärtig ist sie berufsbegleitend Studentin des Masterstudienganges der Politischen Bildung an der JKU Linz.
Kontakt: karin.traxler(at)rmooe.at
Foto: Land OÖ/Dedl
„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer." (Antoine de Saint-Exupéry)
Wenn heute über Partizipation im Rahmen von Lokalen Agenda 21-Prozessen nachgedacht wird, sieht man sich mit dem Leitbild Nachhaltiger Entwicklung konfrontiert. Dabei wird Nachhaltige Entwicklung als gesellschaftlicher Such- und Lernprozess verstanden, in welchem Partizipation grundlegend angelegt ist.
In Agenda 21-Prozessen wird das globale Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung im lokalen Kontext aufgegriffen. Dabei werden unter Beteiligung der BürgerInnen ein Orientierungsrahmen und Maßnah-men für eine zukunftsorientierte Gemeinde-, Regional- oder Stadtentwicklung ausgehandelt. Wesentlich geht es darum, gemeinsame Vorstellungen über Zukunfts- und Entwicklungsfragen zu konkretisieren. Dazu braucht es ein gelingendes Wechselspiel zwischen individuellen Handlungen sowie gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Neben der Thematisierung der Rahmenbedingungen geht es in diesen gesellschaftlichen Lern- und Suchprozessen einerseits immer um die Gestaltung qualitätsvoller Partizipationsprozesse, andererseits auch um die Frage nach dem individuellen Lernen in und durch Partizipationsprozesse(n). Denn: Zuallererst muss es um die Verantwortung und die Befähigung des Individuums zum gelingenden Diskurs über Nachhaltige Entwicklung gehen, um die Gestaltungskompetenz der Menschen zu stärken, (auch) als Ressource für Partizipationsprozesse.
Eine bereichernde Perspektive dafür kann Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BiNE) darstellen. Darunter wird die „Entfaltung von Lebensbewältigungs- und Lebensgestaltungskompetenz in sozialer, ökologischer, ökonomischer und politischer Verantwortung gegenüber den Bedürfnissen der gegenwärtigen und kommenden Generationen“ (Heinrich et al. 2007, S. 130) verstanden. Letztlich geht es dabei um die Auseinandersetzung mit Werten.
Von der österreichischen ExpertInnengruppe Bildung und Nachhaltige Entwicklung wurden fünf Mindeststandards identifiziert, welche handlungsleitend sein sollen (auch für Partizipationsprozesse im Sinne Nachhaltiger Entwicklung):
Agenda 21-Prozesse sind per se Orte der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Und in diesem Zu-sammenhang beschäftigen mich folgende Fragen:
Diese Fragen waren der Anstoß für die Idee eines regionalen Nachhaltigkeitslehrganges, welche von der Agenda 21-Region Mühlviertler Alm aufgegriffen wurde. Gemeinsames Ziel war es, einen qualitätsvollen Rahmen zu schaffen, der methodisch und inhaltlich den oben angeführten Fragen nachspürte. Das freiwillig engagierte Agenda 21-Kernteam hat mit den regionalen Netzwerkpartnern Regionalmanagement OÖ GmbH, der Leitstelle Agenda 21 des Landes OÖ und der SPES-Akademie eigenverantwortlich einen regionalen Nachhaltigkeitslehrgang, eine Seminarreihe mit Praxisprojektbegleitung, konzipiert. Damit wurde ein lebendiger Raum des Lernens, des Erfahrens, des Nachdenkens und Reflektierens eröffnet, welcher das Denken in größeren Zusammenhängen förderte sowie die Vorstellungen über regionale Möglichkeiten ausweitete.
Einige Elemente waren für mich besonders bei der Gestaltung und Durchführung des Lehrganges:
Das Ergebnis sind 24 AbsolventInnen des ersten regionalen Nachhaltigkeitslehrganges, die mit Freude und Engagement 13 Projekte für die regionale gemeinwohlorientierte Zukunftsarbeit der Region Mühlviertler Alm im Rahmen der Agenda 21 initiiert und umgesetzt haben. Als MultiplikatorInnen und Wissensträger für Beteiligung und Nachhaltige Entwicklung bilden sie ein neues regionales Netzwerk von AkteurInnen, welches die Region stärkt! Dieses regionale Bildungsangebot hat den regionalen Agenda 21-Prozess als lernenden Prozess gestärkt!
Literatur:
Heinrich, M./Minsch, J./Rauch, F./Schmitdt, E. & Vielhaber, Ch. (2007): Bildung und Nachhaltige Entwicklung: eine lernende Strategie für Österreich. Empfehlungen zu Reformen im Kontext der UNO-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung (2005-2014).
Die auf der Webseite www.partizipation.at veröffentlichten "Standpunkte" geben die Auffassungen der AutorInnen wieder und müssen nicht jenen des Lebensministeriums entsprechen.
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