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Rita Trattnigg arbeitet im Lebensministerium zum Thema Nachhaltige Entwicklung (EU und national) mit den Schwerpunkten Partizipation und Governance.
Die Neugestaltung von www.partizipation.at ist der beste Anlass, um etwas Neues auszuprobieren – und an diesem virtuellen Standort den Dialog zum Thema Partizipation & Nachhaltige Entwicklung anzuregen.
Hier ist ab sofort der Ort, wo „Standpunkte“ eingenommen werden können – um ein neues Thema aufzugreifen, einen Denkanstoss zu geben, die Diskussion zu bereichern. Wir wollen eine möglichst breite Vielfalt an Meinungen, Einschätzungen und Positionen öffentlich machen. Standpunkte brauchen Öffentlichkeit und erzeugen gleichzeitig Öffentlichkeit; für ein so relevantes Thema kann es davon auch nicht genug geben. Um eine (nationale und europäische) Öffentlichkeit zu erreichen, sind Orte der konstruktiven Auseinandersetzung und des Dialogs notwendig.
Für mich ist ein Standpunkt die Kristallisation von Überlegungen und Einsichten, die sich eine Zeit lang angesammelt haben und die ich an einem bestimmten Punkt meines Weges zu verdichten beginne. Mein Standpunkt ist nicht in Stein gemeißelt, er ist gut durchdacht, jedoch ohne Anspruch auf die Wahrheit (hier halte ich es mit Heinz von Foerster, für den Wahrheit die Erfindung eines Lügners ist).
Ich möchte damit in meiner Meinung und Persönlichkeit erkennbar werden. Es geht mir (zumindest meistens) weniger darum Recht zu haben, als mit anderen ins Gespräch zu kommen, Anknüpfungspunkte zu bieten. Das Gespräch, der Dialog, die Begegnung steht für mich deshalb auch im Mittelpunkt jedes partizipativen Prozesses. Das Ich wird erst zum Ich durchs Du, wie Martin Buber es formuliert.
Standpunkte sind wichtig, um die Diskussion zu beginnen; im Ergebnis sollte sich von jedem/jeder etwas wieder finden. Mein Standpunkt, einmal bezogen, formuliert und vertreten, kann sich auch verändern; ich gewinne in der Diskussion neue Erkenntnisse, lasse mich überzeugen – natürlich auch in der Hoffnung, dass mein Standpunkt etwas bewirkt und in Gang gesetzt hat.
Mein Standpunkt ist offen für Weiterentwicklung und als Beitrag zu einem größeren Ganzen gedacht. Er besteht nicht nur aus Feststellungen, sondern auch aus vielen offenen Fragen. Wenn das jetzt zu viel nach „Kuscheln“ und voreiligem Konsens klingt, dann möchte ich es relativieren: Standpunkte können/sollen auch zum Widerspruch anregen. Denn der Konflikt birgt frei nach Duss von Werdt sehr viel konstruktive Energie, die es im Wege einer anderen Kultur des Dialogs und der Auseinandersetzung für eine zukunftsfähige Entwicklung zu nutzen gilt. Ein Prozess der Ko-Kreation von Zukunft.
Indem ich mich verändere, verändere ich die Welt – die Welt kann sich nur dann verändern, wenn wir uns verändern.
Rita Trattnigg, im März 2006
Neue Standpunkte erscheinen etwa monatlich:
Wir sprechen für diese Rubrik Personen an, die sich mit dem Thema Partizipation beschäftigen und laden sie ein, hier Standpunkt zu beziehen. Kommentare zum Standpunkt können ebenfalls hier veröffentlicht werden (die Redaktion behält sich Kürzungen vor).
Die auf der Webseite www.partizipation.at veröffentlichten "Standpunkte" geben die Auffassungen der AutorInnen wieder und müssen nicht jenen des Lebensministeriums entsprechen.
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