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Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

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Barbara Enengel: Partizipative Landschaftssteuerung (Dissertation, 2010)

Die Arbeit widmet sich partizipativen Formen der Landschaftssteuerung, in der überregionale, regionale und lokale AkteurInnen gemeinsam Entscheidungen zur Landschaftsentwicklung treffen. Dieses Co-Management verlagert einen Teil des Aufwandes der Entscheidungsfindung von der öffentlichen Hand auf Privatpersonen. Anders als bei vielen bisherigen Studien richtet sich der Fokus deshalb auf den privaten Aufwand – Transaktionskosten in Form von Zeit – der Beteiligten. Ausgehend von der Transaktionskostentheorie erhebt die Arbeit den Aufwand, den Nutzen und die Risiken der Beteiligten und stellt diese Analysedimensionen in Zusammenhang. Als Fallstudien dienen zwei Kulturlandschaftsprojekte des Landes Niederösterreich, zwei lokale Steuerungsgruppen in Natura 2000-Gebieten in Tirol und ein LIFENatur Projekt in Salzburg. Neben explorativen Interviews kommen schriftliche Befragungen der Beteiligten der untersuchten Projektgemeinschaften bzw. Steuerungsgruppen, problemzentrierte Interviews mit früheren Teilnehmenden, Interviews mit den jeweiligen Prozessverantwortlichen, Beobachtung und Dokumentenanalysen zum Einsatz, die in der Auswertung trianguliert werden. In den Projektgemeinschaften bzw.

Steuerungsgruppen sind unterschiedliche AkteurInnen etwa aus der überregionalen, regionalen und lokalen Verwaltung, VertreterInnen aus Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus und BürgerInnen involviert. So sind unterschiedlichste Motivationen Auslöser zur Teilnahme an den Co-Management-Arrangements. In allen Fallstudien werden die Zusammenarbeit und der wahrgenommene Nutzen der Partizipation grundsätzlich positiv bewertet (z.B. einen Beitrag zum Naturschutz leisten; Möglichkeit, eigenes Wissen und Erfahrungen einzubringen). Die Beteiligten schätzen den Aufwand für die Prozessaktivitäten grundsätzlich als angemessen ein und sehen relativ niedrige Risiken der Partizipation, am ehesten noch mangelnde Vereinbarungen zu Gestaltungsmöglichkeiten, mangelnde Umsetzung getroffener Entscheidungen und dominierende Personen. Wie die Ergebnisse zeigen, bestehen zwischen dem zeitlichen Aufwand und dem Nutzen signifikant positive und zwischen Aufwand und Risiken sowie Nutzen und Risiken signifikant negative Korrelationen. Die Hälfte der Befragten hätte aber nicht mehr Zeit für diese Zusammenarbeit aufbringen wollen.

Ein Vergleich zwischen beruflich Involvierten und Ehrenamtlichen verdeutlicht unverhältnismäßig hohe Opportunitätskosten der Ehrenamtlichen, die auch tendenziell einen niedrigeren Nutzen aus ihrer Teilnahme ziehen. Auch der Großteil der befragten Aussteiger sieht keinen Nutzen in einer Teilnahme und schätzt die Risiken signifikant höher ein als die aktiv Beteiligten. Basierend auf den drei Analysedimensionen Kosten-Nutzen-Risiken und dem Vertrauen erfolgt eine Typisierung der befragten Personen.

Aus den Ergebnissen der Fallstudienanalysen werden Empfehlungen im Hinblick auf mögliche Weiterentwicklungen der betrachteten Mechanismen partizipativer Landschaftssteuerung und auf eine effektivere Gestaltung der Entscheidungsprozesse generiert. Die Empfehlungen werden in einer Chancen- und Restriktionsanalyse abschließend mit zwei Prozessverantwortlichen diskutiert. Die Relevanz und die Chancen für eine Umsetzung von den Empfehlungen werden als sehr gut eingeschätzt, wie etwa entsprechende zeitliche Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche schaffen, sichtbare auch kurz- und mittelfristige Erfolge ermöglichen, Ressourcen transparent machen sowie von Beginn an den Entscheidungsspielraum und die erwünschte Partizipationsstufe definieren. Die Handlungsempfehlungen können als Checkliste und Anregung für ähnliche partizipative Prozesse dienen.

Dissertation Barbara Enengel (PDF, 4MB)