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Sebastian Helgenberger: Evaluation der gesellschaftlichen Auswirkungen von transdisziplinären Forschungskooperationen (Diplomarbeit, 2006)

Transdisziplinäre Forschungskooperationen, verstanden als gemeinschaftliches Problemlösen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, stellen einen gewinnbringenden Ansatz zur Lösung komplexer, lebensweltlicher Probleme dar. Im Zuge der allgegenwärtigen Debatte um die Wirkungsmessung wurden einige spezielle Evaluationsansätze für transdisziplinäre Programme entwickelt. Mehrheitlich wird dabei der Begriff der Wirkung im Hinblick auf den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn verstanden. In dieser Arbeit wird demgegenüber die Auffassung vertreten, dass sich transdisziplinäre Programme insbesondere durch ihre gesellschaftlichen Wirkungen auszeichnen.

In der vorgestellten Untersuchung wurde ein methodisches Instrument zur Erhebung der gesellschaftlichen Wirkungen transdisziplinärer Forschungskooperationen entwickelt und angewendet. Bei dem untersuchten Programm handelt es sich um die Transdisziplinäre Fallstudie, die im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden durchgeführt wurde. Im Verlauf des Programms (2000 – 2004) arbeiteten insgesamt ca. 200 Praxisakteure aus dem Kanton gemeinsam mit Wissenschaftlern an Strategien für nachhaltige Landschafts- und Wirtschaftstransformationen in dieser Region.

Da die Evaluation der gesellschaftlichen Wirkungen nach Abschluss des Programmes durchgeführt wurde, musste ein Weg gefunden werden, die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die durch die Teilnehmer der Fallstudien wahrgenommen wurden, mit dem Programm in Verbindung zu bringen. Der dafür gewählte Ansatz bezog sowohl qualitative Informationen aus leitfadengestützten Interviews mit Teilnehmern als auch die statistische Auswertung von quantitativ, mittels eines standardisierten Fragebogens erhobenen Daten mit ein. Im Rahmen der Untersuchung wurde ein Analyseinstrument zur Erfassung gesellschaftlicher Wirkungen, der sog. Transdisziplinaritätsindex (Td-Index) entwickelt.

Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Verbindung zwischen dem Mitwirkungsgrad der Praxisakteure im Programm und den erhobenen gesellschaftlichen Wirkungen. Insbesondere konnte die positive Wirkung auf das soziale Netzwerk der Akteure gezeigt werden. Dies betraf sowohl die Ausbildung neuer Beziehungen als auch die Pflege bestehender Verbindungen zwischen den Praxisakteuren. Es konnte gezeigt werden, dass die Teilnehmer durch ihre Mitwirkung ihre Fähigkeiten hinsichtlich der Lösung komplexer, gesellschaftlich relevanter Probleme ausweiten konnten. Darüber hinaus wurde der positive Einfluss der Teilnahme auf die Verbreitung von Informationen deutlich: Je intensiver Praxisakteure an den Fallstudien mitwirkten, desto stärker verbreiteten sie neues Wissen und neue Erkenntnisse in ihrem Umfeld.

Die Grenzen des gewählten Untersuchungsansatzes wurden bei der Erhebung von Wirkungen deutlich, die nur indirekt mit dem Programm in Beziehung stehen. Weitere Untersuchungen in diesem Bereich können dazu beitragen, die Wirkungsweisen transdisziplinärer Programme weiter zu ergründen und so auch indirekte Wirkungen besser identifizieren zu können.

Diplomarbeit von Sebastian Helgenberger (PDF, 6 MB)