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Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

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Petra Wlasak, Regional Centre of Expertise / Universität Graz

Frage: Was wären Ihrer Meinung nach wirksame konkrete Schritte/Maßnahmen, um Polarisierungen entgegen zu wirken? Wie müssten (partizipative) Aktivitäten gestaltet sein, damit Menschen über Differenzen hinweg miteinander in Dialog treten?

Eine Möglichkeit, damit sich unterschiedliche Personen nicht nur treffen und miteinander kommunizieren, sondern auch Schritt für Schritt ein Verständnis für die Perspektive des jeweils anderen aufbringen und sich auf Lösungen einigen, ist die Umsetzung von Urban Labs. In diesen sogenannten Real- oder Stadtlaboren treffen sich gesellschaftliche und wissenschaftliche AkteurInnen, um gemeinsam Herausforderungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu bearbeiten. Koordiniert und begleitet durch ein transdisziplinäres Projektteam, bestehend aus WissenschafterInnen und RepräsentantInnen von lokalen Verwaltungseinheiten, werden dabei bewusst Settings initiiert, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.


EU-Förderungen, wie die Joint Programming Initiative Urban Europe, ermöglichen die Implementierung und Testung von Urban Labs durch die Bereitstellung von benötigten Ressourcen. So wurden und werden beispielsweise in den Projekten URB @ Exp und SmarterLabs Beteiligungsprozesse innerhalb von Urban Labs initiiert und erforscht. Urban Labs haben einen experimentellen Ansatz. Es darf ohne Rücksichtnahme auf mögliche oder unmögliche Ergebnisse, in unterschiedlichen Formaten mit möglichst unterschiedlichen Beteiligten ein breites Feld von Themen diskutiert und bearbeitet werden. WissenschafterInnen, die diese Prozesse begleiten, verstehen sich selbst als aktive und gleichberechtigte MitgestalterInnen. Ihre Aufgabe ist die Dokumentation sowie die bewusste Reflexion und transparente Analyse des Prozesses mit allen TeilnehmerInnen.


Im Rahmen des URB @ Exp Projekts wurde beispielsweise der Prozess der Entwicklung von Unterstützungsangeboten für AsylwerberInnen durch Freiwillige in einem laborähnlichen Setting unter der Einbeziehung von Forschung und Stadtverwaltung begleitet und erforscht. Trotz des anfänglichen öffentlichen Widerstandes gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt, konnten durch die Zusammenarbeit von unterschiedlichen AkteurInnen aus Zivilgesellschaft, Politik und Forschung und durch das Teilen von Wissen und Ressourcen, gemeinsam konkrete Lösungen erarbeitet werden, die schlussendlich zu der erfolgreichen Etablierung diverser Projekte führten. Beispiele hierfür sind regelmäßig stattfindende Sprachkurse, Sprachpatenschaften, ein interkulturelles Café, Sport- und Freizeitaktivitäten, öffentliche Informationsveranstaltungen und das Auflegen von übersetzen Briefen von Flüchtlingen, in welchen sie ihre Fluchtgeschichte schildern.


Die Reflexion des Prozesses mit allen Beteiligten zeigte, dass für die erfolgreiche Durchführung von Lern- und Beteiligungsprozessen in Urban Labs niederschwellige und bedürfnisorientierte Rahmenbedingungen – wie beispielsweise Kinderbetreuung, barrierefreier Zugang, Treffen an Orten ohne Konsumationspflicht, variierende Öffnungszeiten und mehrsprachiges Informationsmaterial – geschaffen werden müssen, um die Teilnahme von marginalisierten Personen zu ermöglichen und gesellschaftliche Vielfalt abzubilden. Weiters müssen WissenschafterInnen und ExpertInnen benötigte Informationen zu gesellschaftlichen Prozessen, beispielsweise zu rechtlichen Rahmenbedingungen, aktuellen Statistiken und historischen Hintergründen, aufbereiten und zur Verfügung stellen. Regelmäßige Reflexionen des bisherigen Prozesses sind ebenso notwendig wie die Inklusion von lokalen Schlüsselpersonen, die über breite soziale Netzwerke verfügen und dadurch unterschiedliche AkteurInnen erreichen können. Auch ist eine professionelle Moderation mit Gender-Kompetenz und interkulturellen Kommunikationsfähigkeiten, die marginalisierte Personen bei der Teilnahme unterstützt, unerlässlich. Wird auf diese Aspekte bei der Umsetzung von Urban Labs geachtet, können aktuelle Herausforderungen einer von Diversität geprägten Gesellschaft unter der Einbeziehung einer heterogenen Gruppe von Beteiligten produktiv bearbeitet werden.

Mehr Informationen zu den Projekten:

  • SmarterLabs an der Universität Graz: Improving Anticipation and Social Inclusion in Living Labs for Smart City Governance
  • URB(at)Exp: Towards new forms of urban governance and city development: learning from urban experiments with living labs & city labs

Quellen:

Petra Wlasak ist Universitätsassistentin am Institut für Geographie und Raumforschung und operative Leiterin des Regionalen Zentrums für Bildung für Nachhaltige Entwicklung (RCE) an der Karl-Franzens-Universität Graz

 

 

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