Inhaltsbereich überspringen und zur Navigation springen Logo
Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

home kontakt impressum datenschutz sitemap english version

 
drucken Seite druckenSchriftgröße     

Thomas Höflehner, Regional Center of Expertise / Universität Graz

Frage: Was ist das spezifisch Neue an dem Format der Living Labs? Bitte erläutern Sie an einem konkreten Beispiel die Erfolgsfaktoren für sowie Herausforderungen bei Living Labs!

In den letzten Jahren ist ein steigendes Interesse an Living Labs zu beobachten. Häufig stehen diese Initiativen in einem Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsthemen und führen unter Realbedingungen zeitlich begrenzte Experimente durch, für die zuvor Lernziele definiert wurden. Immer öfter finden diese Ansätze auch in der Stadtentwicklung Anwendung. Der Hauptunterschied dieser „Urban Labs“ zu etablierten städtischen Beteiligungsformaten ist im expliziten Transformationsansatz zu sehen. Auf der Haushaltsebene können sich dabei NutzerInnen aktiv in Innovationsprozesse einbringen, die meist einen Fokus auf neue Technologien oder haushaltsbezogene Interventionsstrategien richten. Auf der Quartiersebene sind es vor allem Aktivitäten zur Förderung der sozialen Interaktion oder kulturellen Identität. Auch Maßnahmen zur Ausbreitung von Neuerungen, technischen Innovationen, Ideen, und Informationen mit dem Ziel kollektive Verhaltensänderungen anzustoßen können hier angesiedelt sein. Sogenannte „City Labs“ versuchen unter Berücksichtigung gesamtstädtischer Prozesse und unter Einbeziehung der Wirkungen von Politik, Identität und Infrastruktur (Verkehr, Erholung, Energie) neue Lösungsansätze für den städtischen Raum zu erarbeiten. Hier kommt es meist zu einer thematischen Konzentration auf einzelne Funktionen (z.B. Mobilität, Wohnen, Ernährung). Häufig wird dabei versucht, neue Public-Private-People-Partnerships zu etablieren, um die erarbeiteten Lösungen in der Praxis umzusetzen.

Damit Living Labs erfolgreich operieren können, ist es notwendig, wichtige Grundsatzfragen im Vorhinein zu klären: Was ist das Ziel des Labs (klarer Auftrag oder offene Herangehensweise)? Wer sind die beteiligten AkteurInnen? Wie wird das Lab organisiert? Ist das Lab an bestehende Einrichtungen angegliedert? Welche Aktivitäten und Experimente sollen im Lab stattfinden? Was kann konkret umgesetzt werden? Was soll daraus gelernt werden und wie werden die Lernerfolge gesammelt? Wie geht es nach der vorgesehenen Laufzeit mit dem Lab weiter? Das von JPI Urban Europe geförderte Projekt URB @ Exp hat zu diesen zentralen Fragen Richtlinien erarbeitet, anhand derer PraktikerInnen bei der Etablierung oder Evaluierung von partizipativen Experimentier- und Lernplattformen unterstützt werden sollen.

Im Folgeprojekt SmarterLabs beschäftigt sich das internationale Konsortium mit zwei spezifischen Herausforderungen von urbanen Living Labs. Anhand konkreter Verkehrsprojekte in vier europäischen Partnerstädten (Graz, Bellinzona, Brüssel und Maastricht) wird erforscht, wie marginalisierte Gruppen besser in Living Lab Aktivitäten einbezogen und entwickelte Ideen auf einen größeren Rahmen übertragen werden können. Das Grazer Living Lab Experiment fokussierte dabei auf die Umgestaltung des zentral gelegenen Griesplatzes. Dabei zeigte sich, dass es aufgrund des experimentellen Charakters von Living Labs oftmals schwierig ist, konkrete Ziele festzulegen, bzw. diese so zu kommunizieren, dass sie für alle Beteiligten verständlich sind. Das Living Lab wurde von der Stadtverwaltung mit dem Ziel initiiert, die Lebensqualität der BewohnerInnen zu verbessern. Obwohl es aufgrund politischer Vorgaben nicht vorgesehen war, verkehrstechnische Aspekte im Living Lab zu behandeln, waren diese bei betroffenen AnrainerInnen sehr wohl Teil ihrer Veränderungsvorschläge. Um diese nicht zusammen passenden Ziele zwischen BürgerInnen und dem Living Lab abzumindern, konzentrierte sich das Team des Living Labs auf das Etablieren eines gemeinsamen Dialoges zwischen städtischen EntscheidungsträgerInnen und lokalen Stakeholdern. Um möglichst alle Zielgruppen in die Aktivitäten einzubeziehen, wurden vielfältige Kommunikationskanäle genutzt (z.B. regelmäßige Zeitungsberichte, Social-Media-Aktivitäten, öffentliche Veranstaltungen, interaktive Workshops zu thematischen Schwerpunktthemen und direkte Interaktion mit Betroffenen in einem eigens eingerichteten Stadtteilbüro). Die Strategie war es, einen kontinuierlichen Beteiligungsprozess mit BürgerInnen zu initiieren, damit diese Erfahrungen und Meinungen auf vielfältige Weise einbringen konnten. Die Living Lab Organisation übernahm dabei die Aufgabe, Interessierte aktiv durch unterschiedliche Formate anzusprechen und einzubeziehen. Durch die Sammlung und Kommunikation von vielfältigen Beiträgen und Sichtweisen gelang es zumindest ansatzweise die Zielsetzungen der unterschiedlichen Stakeholder anzugleichen.

Quellen

Thomas Höflehner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Regionalen Zentrum für Bildung für Nachhaltige Entwicklung (RCE) an der Karl-Franzens-Universität Graz und forscht zum Thema nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung.

Foto: © Uni Graz/Tzivanopoulos

 

 

Die auf der Webseite Premarin canada buy veröffentlichten "Standpunkte" geben die Auffassungen der AutorInnen wieder und müssen nicht jenen des BMNT entsprechen.

Wenn Sie einen Kommentar zu diesem Standpunkt abgeben wollen -
>>
Schreiben Sie uns!