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Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

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Daniela Köck, Fachstelle für Kinder-, Jugend- und BürgerInnenbeteiligung

Frage: Welche Gestaltungsprinzipien und Formate haben sich für die Beteiligung Jugendlicher bewährt? Bitte erklären Sie anhand konkreter Beispiele, worauf Sie bei der Konzeption und Durchführung von Jugendbeteiligungsprozessen besonders geachtet haben!

Die Frage, wie man Jugendliche beteiligen kann, beschäftigt uns in unserer Arbeit bei Beteiligung.st kontinuierlich. Als Fachstelle haben wir mit Jugendbeteiligungsformaten auf unterschiedlichen Ebenen zu tun: Etwa strukturelle Fragen auf kommunaler Ebene (Wie lässt sich Jugendbeteiligung vor Ort gut verankern?) – oder die Organisation eines Jugendlandtags auf Landesebene.


Wichtig ist in unserer Arbeit, jeweils die Rahmenbedingungen und die Erwartungen der Entscheidungsträger*innen zu kennen. Damit entscheidet sich schlussendlich, wozu Jugendliche eingeladen werden können. Die Bereitschaft von allen Seiten sich auf einen Prozess einzulassen, ist unerlässlich. Die Qualitätskriterien für Partizipation (s. auf unserer Webseite) leiten uns in den Zugängen und in der Konzepterstellung.


Wenn wir von einem Jugendbeteiligungsformat in der Kommune ausgehen, bin ich eine große Befürworterin der „Beteiligungswerkstatt“. Diesen Workshop haben wir konzipiert, um in kurzer Zeit (3-4 Stunden) zuerst mit Jugendlichen Anliegen zu sammeln (Bedarfe zu erkennen) und im zweiten Teil mit den Gemeindevertreter*innen gemeinsam Ideen und Lösungen zu entwickeln. Am Ende des Workshops steht für Jugendliche und Erwachsene ein grober Masterplan mit Verantwortlichkeiten und nächsten Schritten für eine gemeinsame Zusammenarbeit. Diese offene Form der Beteiligung hat sich in vielen Gemeinden sehr bewährt. Die Beteiligungswerkstatt empfehlen wir Gemeinden als „Starter“ für Jugendbeteiligung; manche Kommunen bieten diese aber auch jährlich ihren Jugendlichen an, um einerseits den Kontakt zwischen Jugend und Politik aufrecht zu erhalten. Andererseits beinhaltet eine solche regelmäßige Durchführung auch die Chance, eine Konsultation und Mitgestaltung von Jugendlichen in der Gemeinde zu etablieren.


Zurzeit versuchen wir neue Modelle für Kommunen zu entwickeln, die – angelehnt an die Offene Jugendarbeit – zwar Arbeitseinsatz im Sinne von verstärkter Beziehungsarbeit erfordern, dafür sehr niederschwellig und durchaus auch aufsuchend gedacht sind.


Beteiligungskonzepte im Jugendzentrum beziehen sich auf mehrere Ebenen (Individuum, Gruppe, Einrichtung, Kommune). Der Methodenvielfalt, wie die pädagogische Arbeit vor Ort aufbereitet wird, sind kaum Grenzen gesetzt. Beispielsweise kann eine Beteiligung auf der Ebene der Einrichtung bedeuten, dass Jugendarbeiter*innen und Jugendliche gemeinsam einen Haus-Check durchführen und sichtbar machen, wie viel Entscheidungsfreiheit oder welches Mitspracherecht die Betroffenen in diversen „Räumen“ des Jugendzentrums haben.


Die größte Herausforderung ist nach wie vor Ressourcen zur Verfügung zu haben, d.h. eine Gemeinde, die eine Beteiligungskultur etablieren will, braucht Personen - auch vor Ort.

 

Weiterführende Literatur und Links

Knauer, Raingard/Friedrich, Bianca/Herrmann, Thomas/Liebler, Bettina (2004): Beteiligungsprojekte mit
Kindern und Jugendlichen in der Kommune. Vom Beteiligungsprojekt zum demokratischen Gemeinwesen. Wiesbaden.

Sturzenhecker Benedikt (2003): Partizipation in der Offenen Jugendarbeit, erschienen in: BMFSFJ –Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Kiste Bausteine für die Kinder und Jugendbeteiligung, Entwicklung und Wissenschaftliche Leitung Prof. W. Stange (FH Lüneburg, Forschungsstelle Kinderpolitik), Infostelle Kinderpolitik des Deutschen Kinderhilfswerkes, Berlin.

 

Daniela Köck ist Geschäftsführerin der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und BürgerInnenbeteiligung (beteiligung.st) in Graz. Der Verein entwickelt und konzipiert Partizipationsprojekte und Bildungsformate, setzt sie um und organisiert Kooperationen. In zahlreichen Kooperationsprojekten bringt beteiligung.st in der Zusammenarbeit die fachliche Expertise zu partizipativer Kinder- und Jugendarbeit sowie Erwachsenenbildung ein.

Foto: © Daniela Tafel

 

 

Die auf der Webseite www.partizipation.at veröffentlichten "Standpunkte" geben die Auffassungen der AutorInnen wieder und müssen nicht jenen des BMNT entsprechen.

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