Inhaltsbereich überspringen und zur Navigation springen Logo
Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

home kontakt impressum datenschutz sitemap english version

 
drucken Seite druckenSchriftgröße     

Victoria Matejka, PlanSinn

Frage: Welche Gestaltungsprinzipien und Formate haben sich für die Beteiligung Jugendlicher bewährt? Bitte erklären Sie anhand konkreter Beispiele, worauf Sie bei der Konzeption und Durchführung von Jugendbeteiligungsprozessen besonders geachtet haben!

Wenn Jugendliche in ihren Meinungen und Wünschen gehört werden, erkennen sie ihre Wirkmächtigkeit, ein Bewusstsein ihrer politischen und zivilgesellschaftlichen Rolle als BewohnerInnen der Gemeinde. Die Einbindung von Jugendlichen kann und soll auch ein Hebel für die Erwachsenen sein, für einen noch breiteren Zukunfts-Diskurs und einen offenen Blick aller Gemeindemitglieder für andere Aspekte oder neue Strategien.

„MyLife 24/24“ heißt ein Jugendbeteiligungsprojekt zur örtlichen Raumplanung, das wir von PlanSinn in sieben niederösterreichischen Gemeinden umsetzten. Spielerisch in die Rolle der Bürgermeisterin schlüpfen, die Umgebung aus ganz neuen Blickwinkeln beforschen und dann kartieren oder ein Austausch mit allen Generationen - solche Methoden halfen den beteiligten Jugendlichen Visionen und konkrete Maßnahmen für ihre Heimat zu entwickeln. Im Gespräch mit dem Gemeinderat klärten sie ab, welche nächsten Schritte möglich sind. Die Erfahrungen mit über 300 Jugendlichen ließen uns viel über die positiven Effekte von Jugendbeteiligung lernen.

Fünf Learnings von MyLife 24/24 möchten wir hier gerne teilen.
 

  • Besonders große Wirkung hat das Beteiligungsprojekt, wenn sich die Jugendlichen nicht nur mit den eigenen aktuellen Themen (wie neues Jugendheim etc.) beschäftigen. Wenn die Jugendlichen ihre eigene Betroffenheit auch in Themen mit längerfristigem Planungshorizont einbringen können, lernen sie die Bedürfnisse aller Generationen und Lebenslagen zu berücksichtigen. Und der Gemeinderat wird lernen, dass Jugendliche das können!

  • Falsche Erwartungen, sowohl bei den Jugendlichen, als auch bei anderen eingebundenen AkteurInnen, können das Projekt negativ beeinflussen. Eine ehrliche Einschätzung der Möglichkeiten, die sich für Jugendliche und ihre Einbindung ergeben, ist daher wichtig: Auf welcher Stufe der Partizipation wirken wir mit? Was ist das Ziel des Projekts? Was passiert mit den Ergebnissen?

  • Jugendliche wollen ernstgenommen werden und gerne in bedeutsamen Entscheidungen eingebunden sein. Direkte Umsetzungen ihrer Ideen tragen dazu bei, dass sich die Jugendlichen ernstgenommen fühlen. So ein Erfolgserlebnis bleibt im Gedächtnis.

  • Simple Lösungen scheinen manchmal schnell gefunden. Z.B.: „... dann bauen wir die Straße halt rund herum.“ oder „... ein Greißler im Ort für Frühstücksemmerl wäre fein.“ Durch gezielte Irritation kann die Diskussion auf eine höhere Stufe gehoben werden. Was steckt dahinter? Jugendlichen sollen die Systemrelevanz ihrer Lösungen begreifen und miteinbeziehen. Welche Aus- und Nebenwirkungen haben Straße und Greißler auf Umwelt, Menschen, Wirtschaft, auf diese und jene gesellschaftlichen Gruppen?

  • Jugendliche müssen viele zukunftsweisende Entscheidungen treffen; für eine Zukunft, die sich immer schneller verändert. Im Beteiligungsprozess sollen die BegleiterInnen diese Unsicherheit der Jugendlichen authentisch adressieren. Ganz nach dem Motto: „Wir stellen euch keine Suggestiv-Fragen. Auch wir wissen keine universal richtigen Antworten. Politische Arbeit ist immer ein Herantasten.“

 

Weiterführende Links

 

Victoria Matejka ist Umweltpädagogin und seit 2014 bei PlanSinn in Partizipations- und Vermittlungsprojekten tätig. Neben Jugendbeteiligungsprojekten wie MyLife24/24 liegt ihr Fokus auf Projekten zu nachhaltiger (Stadt-) Entwicklung, z.B. in Bezirksinitiativen der Lokalen Agenda 21 in Wien. Privat engagiert sich Victoria Matejka im Verein actinGreen als Theaterpädagogin für Bildung für Nachhaltige Entwicklung. 

Foto: © PlanSinn

 

 

Die auf der Webseite www.partizipation.at veröffentlichten "Standpunkte" geben die Auffassungen der AutorInnen wieder und müssen nicht jenen des BMNT entsprechen.

Wenn Sie einen Kommentar zu diesem Standpunkt abgeben wollen -
>>
Schreiben Sie uns!