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Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

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Eva Seebacher & Florian Sturm, Jugendrat.at

Frage: Welche Gestaltungsprinzipien und Formate haben sich für die Beteiligung Jugendlicher bewährt? Bitte erklären Sie anhand konkreter Beispiele, worauf Sie bei der Konzeption und Durchführung von Jugendbeteiligungsprozessen besonders geachtet haben!

Vertrauen aufzubauen ist das wichtigste in der Beteiligung von jungen Menschen. Das ist nur dann möglich, wenn man authentisch ist. Das hat weniger mit dem Alter zu tun, als vielmehr mit echtem Interesse an den Anliegen der jungen Menschen, einem offenen Ohr für ihre Themen und dem Willen zur Umsetzung und Unterstützung ihrer Anliegen und Ideen.

Oft hört man den Spruch "Junge Menschen sind die Zukunft unserer Gesellschaft", dabei spiegeln sie nur den Zustand unserer Gesellschaft - und sind demnach eher die Gegenwart als die Zukunft. Sie sind bereits jetzt Teil unserer Gesellschaft und wollen unserer Erfahrung nach auch als solcher gesehen und ernst genommen werden. Teil eines größeren Ganzen zu sein motiviert zur Beteiligung.

Was oft bei Projekten mit PolitikerInnen und jungen Menschen hinderlich ist, ist die Fixierung der PolitikerInnen auf zählbare Ergebnisse. Dabei ist unserer Meinung nach nicht so sehr die Quantität der Ergebnisse wichtig, als vielmehr die Qualität. Es geht nicht darum, möglichst viele junge Menschen anzulocken und sich dann zufrieden zurück zu lehnen. Es ist vielmehr wichtig, sich Zeit zu nehmen mit jedem einzelnen Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen, eine Vertrauensbasis zu schaffen und gut zu klären, welche Absicht verfolgt wird.

Es ist auch nicht so wichtig, sofort große Projekte umzusetzen, sondern authentisch kommuniziert zu haben, dass man als AnsprechpartnerIn zur Verfügung steht.

Bei unseren Projekten ist immer entscheidend, dass es in den Gemeinden, in denen wir mit Jugendlichen arbeiten, Menschen gibt, die Ansprechpersonen für die Jugendlichen sein wollen. Die sich wirklich für junge Menschen interessieren. Und die auch länger vor Ort sind und vielleicht in den lokalen Organisationen eingebunden sind. Dabei ist ein guter Draht zur Gemeinde  jedenfalls hilfreich. Kurzfristige Aktion bringen  nur etwas, wenn es darunter längerfristige Strukturen gibt, die die aktivierten und interessierten Jugendlichen dann auffangen. Das kann z.B. eine Jugendgemeinderätin sein, eine engagierte Ansprechperson in der Gemeinde, jemand vom Jugendzentrum, einer Schule oder engagierte Verantwortliche von Vereinen. Es braucht Menschen, von denen sich die jungen Menschen gehört fühlen und an die sie sich (auch zu einem späteren Zeitpunkt noch) wenden können.

Oft ist es auch hilfreich den Austausch zwischen diesen Unterstützungs-Menschen anzuregen und zu begleiten, weil sie sich gegenseitig motivieren können sowie von- und miteinander lernen.

Besonders gut gelingen Veranstaltungen, die Jugendliche selbst planen und bewerben. Die informellen Netzwerke - zumeist per Whatsapp - sind der beste Kanal für Informationen, wenn sie von vertrauenswürdigen Quellen und am besten von einem anderen Jugendlichen selbst kommen.

 

Eva Seebacher ist selbstständig im Bereich Regionalentwicklung und Beteiligung. Sie unterstützt als Moderatorin, Prozess- und Projektbegleiterin Menschen dabei Möglichkeiten für echte Begegnung(en) zu schaffen, Gespräche über das Wesentliche zu führen und ins gemeinsame Tun zu kommen. Neben Konzepten wie Art of Hosting oder Design Thinking nutzt sie dabei Erfahrungen und Wissen aus der Ausbildung zur Dialogkreisbegleiterin.

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Florian Sturm beschäftigt sich leidenschaftlich damit, wie man bei Treffen und Veranstaltungen sichere „Räume“ schaffen kann, in denen authentische Begegnung, Austausch auf Augenhöhe, persönliche Entwicklung und Erkenntnisgewinn passieren können. Er ist Moderator, rozessbegleiter, Facilitator, Trainer bei der Otelo eGen (https://oteloegen.at) und Begegnungskunst (http://begegnungskunst.eu) und arbeitet mit Konzepten wie Art of Hosting, Theorie U und Gewaltfreier Kommunikation, sowie partizipativen und interaktiven Moderationsmethoden in den Bereichen Jugend, Demokratie, Bildung und Regionalentwicklung.

Foto Seebacher: (c) privat

Foto Sturm: (c) Elfriede Harrer / HPartner

Die auf der Webseite www.partizipation.at veröffentlichten "Standpunkte" geben die Auffassungen der AutorInnen wieder und müssen nicht jenen des BMNT entsprechen.

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