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Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa

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Maren Knolle: Einfluss partizipativer Organisationsstrukturen auf die Implementierung von Sozialstandards. Eine empirische Analyse chinesischer Textilfabriken

Arbeitsbedingungen vor allem in asiatischen oder lateinamerikanischen Zulieferbetrieben  westlicher Unternehmen stehen immer wieder in der Kritik von Nichtregierungsorganisationen. Als Reaktion hierauf konzentrieren sich westliche Unternehmen daher zunehmend auf die Durchführung von Trainingsprogrammen für Zulieferbetriebe um deren Umsetzung von Sozialstandards zu verbessern. Die Förderung der Partizipation von ArbeiterInnen an betrieblichen Entscheidungen ist dabei zunehmend ein Aspekt solcher Qualifizierungsmaßnahmen. Diese Entwicklung greift die vorliegende Studie auf, indem der tatsächliche Einfluss einer vom Management initiierten Arbeitnehmerpartizipation auf die Einhaltung von Sozialstandards am Beispiel chinesischer Zulieferer untersucht wird.

Im theoretischen Teil der Arbeit wird anhand von motivationalen und kognitiven Modellen sowie unter Betrachtung von Machtaspekten und Entscheidungsprozessen erforscht, welchen Einfluss Partizipation zu spielen vermag. In der Fallstudie der Arbeit werden sieben Zulieferbetriebe der Bekleidungsindustrie in China untersucht, die an dem Public-Private-Partnership Projekt „Worldwide Enhancement of Social Quality“ der Tchibo GmbH und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit teilnahmen. Ziel des dreijährigen Projekts war es, partizipative Kommunikationsstrukturen in den insgesamt 40 teilnehmenden Betrieben in China, Bangladesch und Thailand zu initiieren und fachliches Wissen zur besseren Einhaltung von Sozialstandards in Trainingsangeboten zu vermitteln. Um den Einfluss von Partizipation in den chinesischen Betrieben zu analysieren, wurden anhand einer quantitativen Befragung von 390 Arbeitern und 70 Arbeitnehmervertretern sowie durch Interviews mit 15 Fabrikmanagern, neun Projektbeteiligten und einem Vertreter der ILO China empirische Daten gewonnen. 

Die Forschungsergebnisse belegen, dass Arbeitnehmerpartizipation zu einer Verbesserung der ökonomischen und sozialen Performance in den chinesischen Betrieben beitrug. Insbesondere die Entstehung von vertrauensvollen Beziehungen zwischen Management und Arbeitern sowie das Nutzbarmachen des Wissens der Mitarbeiter führten zum positiven Wandel der Betriebe. Damit das Potenzial von Partizipation voll ausgeschöpft werden kann, sind die Motivation des Managements und der Arbeiter, Partizipationskompetenzen der Beteiligten, Training der Mitarbeiter sowie Zeitressourcen von Bedeutung. 

China durchläuft eine Phase der Transformation. Auch wenn bislang keine unabhängigen Gewerkschaften erlaubt sind, so ermöglicht eine durch das Management initiierte Arbeitnehmerpartizipation jedoch das Praktizieren von Beteiligung auf Betriebsebene und kann damit Demokratisierungstendenzen im Land unterstützen.

Magisterarbeit von Maren Knolle (PDF, 3,3 MB)